»Ob das Mutter wußte, da sie mich Güldenfey nannte?«

Die Alte stand auf und strich über die gefalteten Hände. »Nein, nein, was hat sie mit dem alten Spuk zu schaffen! Du heißt so ... Ja, es ist seltsam, vielleicht kannst du ihn erlösen.«

»Und fährt noch heute ruhelos durch die Meere?«

»Ist ja nur eine Sage, Kind. Gott weiß alles, und bei ihm ist Vergebung. Schlaf jetzt!«

Güldenfey lag noch lange wach und sah das Mondlicht in das Zimmer gleiten. Sie hörte Jörg heimkehren und später Harro, aber ihre Gedanken waren bei dem Ahn draußen auf der See, der den Weg nach Heilisoe suchte und nicht fand.

An der Wegscheide

Seitwärts führte in die Kirche des St. Niklas eine kleine Tür, durch die die Treß zum Gottesdienst gingen. Sie war von eigenartiger Schönheit. Als der Vogt sie aufschloß, um die Herrschaften einzulassen, blieb Frauke Treß stehen und bewunderte das feine Maßwerk, das ein Spitzbogen in erhabener Arbeit krönte. Auch Malte sah flüchtig hin. Er hatte wenig Zeit und war nur gekommen, um vor den andern als gerechtfertigt dazustehen. Von der Musik verstand er nichts, und er betrachtete die Stunde, die er darangab, als ein Opfer.

»Was ist das?« fragte er und deutete flüchtig auf die Figuren in den beiden oberen Winkelfeldern, die gegeneinander die Posaunen hoben.

»Irgendwelche Wesen, die Musik machen«, erwiderte Frauke leichthin.

Er glaubte die Geringschätzung zu hören, die die Poppelmanns für alles empfanden, was nicht zu den führenden Handelshäusern zählte. Schmuck des Lebens, o ja! Aber wer ihn darbot, stand auf andrer Stufe. Und sein leiblicher Bruder! Wohlan, er mochte spielen! Wie Malte urteilen würde, stand bei ihm.