Ja, Güldenfey begriff es.

Thomasius sprach weiter, von seinen Plänen und seiner Arbeit und wie ihn das Alleinsein hindere, sein Bestes zu geben. Mit wem konnte er sprechen? Die Freunde waren weit. Und wer half ihm hier nicht nur mit Rat, sondern mit der Tat! Es gab so vieles, dem er nicht näher kam, weil nur weibliches Empfinden das durchdringen konnte, was männlicher Tatkraft sich versagte.

Güldenfey fühlte es auf sich zuschreiten, bittend, werbend, mit ausgestreckten Händen. Sie wußte, daß alle Worte ihr galten und hinter ihnen die große Bitte des Lebens stand: Sei mein! Es erregte sie nicht, sie blieb ganz ruhig, und nur die warme Freude an neuen blühenden Feldern war stärker in ihr.

Er hat der Armut zu Füßen gesessen, dachte sie, er wird mich verstehen.

Thomasius blickte auf die Stelle im Raum, wo im Kranz des hellen Haares das Gesicht schimmerte, dessen Züge er nicht erkannte. Aber er fühlte es, wie man die in den Gewändern haftende Wärme spürt, daß sie sich ihm zuneigte. Er war glücklich. Dieser Feinen nahte sich keiner damit, daß er die roten Wellen ihres Blutes beschwor. Man mußte den silbernen Nachen der Seele besteigen, der auf der warmen Flut ihres Lebens schwamm, um bei ihr landen zu können.

Langsam glitten ihre Seelen zueinander, näher, näher; es war nur noch eines Wortes schmaler Raum, der ihre Hände trennte.

Doch, noch eins! dachte er.

»In der Frühe der Sonntagmorgen haben junge Menschen die alten Lieder gesungen; ist es wahr, daß Sie auch unter ihnen waren?« fragte er. Und als sie fröhlich bejahte, fuhr er fort: »Ich wollte Sie doch warnen, zu vertrauend zu sein. Es gibt da so viel Häßliches, das fern von Ihnen bleiben muß.«

Sie sah überrascht aufhorchend in die Richtung, wo er saß.

»Man kann sich auch in der Liebe verschwenden«, setzte er ratsam hinzu.