Jörg lobte mit einigen Worten, die aber nicht bedingunglos klangen.

»Du machst einen Vorbehalt, Jörg!«

Jörg zögerte. »Wenn du es wissen willst, Malte, ich glaube, du bist kein — wie soll ich es nennen? — kein Wirklichkeitgewahrer.«

Maltes Lippe kräuselte sich. »Ich? Du meinst, ich verstehe nicht, was um uns vorgeht?«

»Das Gegenteil«, erwiderte Jörg. »Du siehst nur das, was um dich ist, darum weißt du nichts von dem, was in dir ist. Ein Wirklichkeitgewahrer setzt seine innere Neigung mit der Außenwelt in das geziemende Gleichgewicht. Sage, fühlst du dich wahrhaft glücklich hierbei?«

Malte zuckte die Schultern. »Du verlangst zuviel. Glücklich, wer ist das? Ihr alle werdet mir hoffentlich Dank zollen, daß ich in dieser schwankenden Zeit euer Vermögen und unsers Namens Bestand gerettet habe.«

Malte dachte über das Wort nach, während Jörg droben bei Frauke war. Ein seltsamer Mensch, dieser jüngste Treß! Doch vermochte er darum nicht wie einst gering von ihm zu denken. —

Die Festtage waren voll Glanz und Freude, wie sie das Treßhaus lange nicht gesehen. Nicht nur, weil Lichter brannten und der Tisch wohlversorgt war. Mit Jörg war eine andere Luftschicht eingezogen. Er beherrschte das Gespräch und schuf Stimmung, und alle ordneten sich ihm willig unter. Harro war weniger laut und Frauke weniger schweigsam. Überhaupt Frauke! Wer hatte diese kühle Frau so angeregt und warm über die Kunst reden gehört? Wer hätte von ihr erwartet, daß sie so lange zuhören konnte? Immer aufs neue regte sie Jörg an, von seinen Lehr- und Wanderjahren zu erzählen, und er, der sich gegen Frauke bisher ablehnend gezeigt, willfahrte ihr gern; nur in einem nicht: er war nicht zu bewegen, vor ihnen allen zu spielen.

Auch Marfa, die gewöhnlich nur für Harro da war, gab sich jetzt ganz dem Zauber hin, den Jörgs Wesen ausübte, und ließ wieder seit langem ihr schüchternes Lachen hören. Es war eitel Freude im Treßhof.

Nur einmal ... Während sie alle beisammensaßen, erschien Ose im Zimmer. Sie zeigte ein verstörtes Gesicht, doch das bemerkte außer Jörg keiner, da sie sich, nachdem sie den Kreis der Versammelten überblickt, schnell etwas zu schaffen machte und das Zimmer gleich wieder verließ. Als Jörg darauf unter einem Vorwand sich erhob und ihr folgte, fand er sie verstört auf dem oberen Flur.