»Ist etwas geschehen, Ose?«

Sie blickte ihn einen Augenblick zögernd an, dann sagte sie: »Hörst du, Jörg? Sie knarrt wieder.«

Die Diele unter ihrem Fuß gab einen seltsam klagenden Laut von sich.

»Und was bedeutet das, Ose?«

Sie wollte nicht sprechen, und er mußte seine Frage wiederholen.

»Kind, laß dir vor ihnen nichts merken, aber denk' an mich! Es ist wieder einer zuviel hier im Hause.«

»Narretei!« sagte er und kehrte zu den andern zurück. Doch es war gut, daß die Geschwister so eifrig sprachen und seine Bestürzung nicht merkten. Scheu sah er auf sie. Wer sollte der Gehende sein? Einer der Brüder? Plötzlich fiel sein Blick auf Marfa, die seltsam verloren vor sich hinschaute. Er setzte sich an ihre Seite, und während er freundlich wie ein Bruder mit ihr sprach, vergaß er Ose und ihr Sibyllenwort.

Das Schönste für Güldenfey kam, als alle gegangen waren. Da saß sie mit Jörg in dem oberen Saal. Die niedergebrannten Kerzen des Christbaums verbreiteten ihren Duft, und knisternd rührte sich im Wipfel der Tanne das Rauschgold. Die Lampe im Winkelplatz schuf ein sanftes Licht, einen kleinen Kreis, dahinter lag unbegrenzt das Halbdunkel, aus dem von einem Tisch her ein silbernes Gerät aufblitzte.

»Nun will ich spielen«, sagte Jörg.

»O Jörg, für mich?«