»Ja, Güldenfey, für dich allein.« Er trat vor sie hin und legte seine Hände zärtlich um ihren Kopf. »Für dich ganz allein«, wiederholte er. »Wirst du mich verstehen? Wenn du es nicht kannst, kann es niemand.«
»Ich bin so einfältig«, sagte sie zu ihm aufblickend.
Er beugte sich nieder und küßte andächtig ihre Stirn. »Du weißt nicht, ein wie hohes Lob du dir damit erteilst, du Einfältige unter Zwiefältigen«, sagte er. »Es hat einst der Schuster Jakob Böhme, der doch ein großer Mann war, das Wesen des Göttlichen gefunden, als er die Sonnenspiegelung in einem Zinngefäß beobachtete. So hab' ich es entdeckt, als ich es in deiner liebevollen Art sich spiegeln sah.«
Güldenfey traten plötzlich die Tränen in die Augen. Wie kam es, daß sie jetzt an die Frau denken mußte, die sie noch immer suchte und nicht fand. Sie erzählte Jörg, was sie wußte und wollte.
Als sie geendet hatte, trat er still an den Flügel und spielte. O ja, Güldenfey verstand ihn. Es war eitel Trost, was die Töne ihr sagten. Sie wußte, daß sie finden würde.
Die Töne verklangen leise wie ferne Glocken. Dann erhob er sich und empfing ihre beiden Hände, die sie ihm entgegenstreckte. »Weißt du es nun, Güldenfey?« fragte er.
»Ja, ich weiß.«
»Ich glaube, wir Treß tragen schwer an alter Schuld ...«
»Ja, Jörg.«
»Aber mir ist nicht bange, solange ich weiß, daß das Gallion am Schiff des Fliegenden Holländers unsere Güldenfey ist. Und nun will ich dir noch eins verraten: Im Frühjahr gebe ich hier in unsrer Stadt mein erstes Konzert, und was ich dann spielen werde, das hast du soeben gehört.«