»Nun, du wirst sie finden«, tröstete Marfa. »Laß uns jetzt noch zu Engelke gehen.«
Auf dem Heimweg erzählte Marfa, was Ose ihr von dem Opfer, das der Teich jährlich fordere, mitgeteilt hatte.
Güldenfey, die jetzt, da sie Marfa froh sah, so gern lachte, wurde ernst. »Die Gefahr, die den Leichtfertigen von den Teichen droht, muß schon lange bestehen, sonst wäre jene Sage nicht entstanden«, sagte sie. »Wirklich verunglücken hier jährlich Menschen.«
Sie schritten durch die Anlagen, die den Stadtteich umgaben. Ein Sicherheitwachmann ging, die Hände auf den Rücken gelegt, in gemessenem Schritt vor ihnen her. Als sie den Mann erreichten, blieb dieser plötzlich stehen und spähte scharf auf den Teich hinaus. »Also da haben wir das Unglück«, sagte er laut.
»Welches Unglück?« fragte Güldenfey, gleichfalls stehenbleibend.
»Ein Junge ist eingebrochen«, sagte er ärgerlich. »Da sind nun ein Dutzend Warnungtafeln ausgehängt, und trotzdem müssen sie auf das brüchige Eis gehen. Schadet ihnen gar nicht.«
Auf dem Eise liefen die Leute zusammen und umstanden die Stelle, von der aus jetzt klägliche Hilferufe ertönten; keiner aber wagte sich dem Spalt zu nähern, in den der Verunglückte geglitten war. Man sah ihn, wie er sich an den Rand des Eises klammerte.
»Helfen Sie doch«, bat Güldenfey dringlich.
Der Mann blickte sie strafend an und schüttelte den Kopf. »Das ist nicht meine Aufgabe«, sagte er. »Überdies, helfen kann da keiner.«
War denn unter dem Beamtenrock keine menschliche Regung mehr? Güldenfeys Gesicht rötete der Zorn. »Es ist ein Mensch in Not, und Sie können fragen, ob es Ihres Amtes ist, ihm zu helfen? Schämen Sie sich!«