Der Mann sah an sich nieder. Es war nicht Scham; er erwog wohl, ob er seine Uniform der Möglichkeit, naß zu werden, aussetzen könne. Aber er verharrte in seiner Untätigkeit.

Als Güldenfey sich von ihm abwandte, sah sie Marfa nicht mehr an ihrer Seite; sie war die Uferböschung hinabgestiegen und lief jetzt über das Eis der Unfallstelle zu. Güldenfey folgte ihr, sie rief ihren Namen, doch Marfa hörte nicht. Immer eiliger strebte sie fort. Himmel, sie würde doch nicht ...!

Da Güldenfey in den Kreis der Gaffer trat, sah sie Marfas Hut und Mantel auf dem Eise liegen, sie selbst schob sich kriechend dem Knaben zu, dessen erstarrte Hände den Kopf mühsam über Wasser hielten.

»Halt aus, ich komme!«

Die umherstehenden Menschen rührten sich nicht. Aber plötzlich schrien sie auf und wichen erschreckt zurück. Das Eis war geborsten und die Retterin in das Wasser gestürzt. Der Knabe war verschwunden.

Jetzt vollzog sich alles blitzgleich. Marfa tauchte wieder auf, sie hatte den Knaben im Arm, sie stieß sich auf das Eis zu. Aber sie hatte sich und das Kind zu halten. Wie lange sollte das währen? In Güldenfeys Herz preßte sich alles Blut zusammen.

»Marfa!« rief sie. »O Marfa!«

Sollte dies das Ende sein? Noch nicht. Es vollzog sich jetzt für Güldenfey alles wie hinter Schleiern. Ein Brett, ein beherzter Mann, ein Arm streckte sich. Das Eis hielt, gottlob, es hielt. Der Knabe erschien. Wie lange es währte! Jetzt wurde auch Marfa heraufgezogen.

Man legte sie dahin, wo das Eis fest war, und deckte den Mantel über sie. Zwei Augenblicke lag sie wie bewußtlos, nur schwer keuchend, dann sprang sie auf und schüttelte das Wasser von sich. »Der Knabe!« sagte sie. Sie ergriff ihn, hob ihn in ihren Arm, und in triefendem Haar und schleppendem Kleid trug sie ihn an das Ufer. Güldenfey ging an ihrer Seite. Nach Hause, dachte sie, nur schnell nach Hause! Doch Marfa schien die Kälte der durchnäßten Kleider nicht zu spüren.

Am Ufer stand der Wachmann, sein Schreibbuch in der Hand haltend. In seiner Dienstanweisung war wohl gefordert, daß er den Vorfall mit den Namen der Beteiligten zu verzeichnen habe. Der Zuschauer wollte sich plötzlich im Mittelpunkt wichtig fühlen.