Frauke sprach einige Worte, wie man sie zu Kranken spricht: es werde bald besser werden. Marfa lächelte geheimnisvoll.
Als Frauke gegangen war, setzte sich Güldenfey wieder zu der Kranken. Langsam, leise fiel der Schnee.
»Wir haben Harro gerufen, liebstes Herz, er wird bald hier sein.«
Marfa lächelte wieder. Wie kam ihr nur dieses seltsame Lächeln? Warum fragte sie nicht einmal nach dem Mann, ohne den sie bisher nicht einen Tag leben zu können vermeinte? »Ich warte jetzt mein letztes Warten«, flüsterte sie. »Aber ... Pastor Thomasius ...«
Telge trat bekümmert zu Frau Mellin ein und berichtete, nun sei es ganz gewiß, daß Frau Doktor sterbe; man habe schon nach dem Pastor geschickt. Dann ging er in seine Stube und sah trübselig in die Lampe. Wie lange war es her, daß sie noch so herzlich gelacht, als er auf Heilisoe gesprungen hatte: Juchhe Panitzenschauh, juchhe Panitzenschauh! Ach, was war doch das Leben!
Droben im Krankenzimmer war der Tisch für das letzte Mahl gedeckt. Die Kerzen brannten, und die Ahnung von der Gegenwart des Größten heiligte den Raum. Thomasius, der das nahe Ende voraussah, blieb bei der Wartenden. Am Bett kniend, sprach er von Zeit zu Zeit ein Wort des Unvergänglichen.
Marfa lag ergeben und heiter da. Sie war zu gehen bereit. Die alten Worte kamen wie Kindergespielen, die ihre Hände faßten. Wie war das Land ihrer Jugend ihr so nahe gerückt: die runde Kirche mit dem nüchternen Gestühl, in der sie eingesegnet war; der Weg mit den Kopfweiden zur Frühlingszeit. Dufteten da nicht Veilchen?
Ein Geistchen, eine der grasgrünen Florfliegen, wie sie in den Zimmern überwintern, flog herbei und ließ sich auf ihre Hand nieder. »Ei, wie lieb!« Und wie treu diese Guten sie alle umgaben! Güldenfey, Ose, Thomasius. Er betete:
»Wann endlich ich soll treten ein
In deines Reiches Freuden ...«