Es bedurfte großer Langmut, um von dem verstörten Manne den Sachverhalt zu erfahren. Häberle war erschüttert. Solche Fälle wiederholten sich täglich, die Verzweiflungausbrüche der Verratenen, Betrogenen brandeten mit wilder Gewalt auch wider ihn. Es gehörten Nerven besonderer Art dazu, um dem standzuhalten. Und nun auch dieser Brave, dem Ehrenhaftigkeit die tägliche Speise war! Und er sollte ihm die Gewißheit bringen. »Lieber Mellin,« sagte er milde und legte seine Hand auf ihn, als müsse er den Anprall seiner Worte lindern, »ich kann nur raten, heben Sie sogleich Ihr Geld ab und bringen Sie es her; ich will sehen, was noch mit ihm zu beginnen ist.«

»Aber sie geben mir doch andres Geld, nicht meins«, beharrte Mellin. »Ich verlange mein Geld zurück.«

Es kostete Häberle unbeschreibliche Mühe, das rechte Wort zu finden. Er setzte ihm so zart wie möglich auseinander, wie alles gekommen, daß alle Ersparnisse so gut wie verloren seien. Der einzige Trost sei, daß alle unter dies Verhängnis fielen.

»Sie wollen mir also die Behauptung des Fuchses dort drüben bestätigen, daß alles verloren ist?«

Häberle nickte.

Mit einem Ruck erhob sich Mellin. »Verzeihen Sie, Herr Häberle, ich habe alle Hochachtung vor Ihnen, doch das glaub' ich Ihnen nicht; nein, nein, das glaub' ich nicht. Das kann nicht sein. Ich darf wohl Herrn Konsul sprechen.« Seine Stimme splitterte wie Glas.

»Lieber Mellin, Herr Konsul ist beschäftigt. Er kann nur wiederholen, was ich gesagt ...«

»Herr Häberle, ich bin im Dienste des Hauses grau geworden ...«

»Kommen Sie«, sagte Häberle. Er war aufgestanden und pochte schon an die Tür des Chefs.

Der gleiche Eindruck auf Malte, die gleichen Worte Mellins. Häberle gab seine Erklärungen. Maltes Blicke flohen wieder dies aschfarbene Gesicht, aus dessen Höhlen die blutunterlaufenen Augen zu quellen schienen. Diese Augen waren flehend und drohend zugleich auf ihn geheftet, schienen zu betteln und anzuklagen, waren Richter und Henker. Das Urteil konnte nur eins sein.