»O! Und Ihr kleines Mädchen. Es war so lieb!«

»Meine Tochter ist nicht hier. Bemühen Sie sich nicht. Sie und wir haben nichts miteinander zu schaffen.« Sie sprach ruhig, aber jedes Wort bedeutete eine Absage.

Güldenfey trat einen kleinen Schritt vor. Sie streckte bittend eine Hand aus. »Ich weiß, mein Bruder Malte ... Er war ungerecht und hat Sie sehr verletzt. Ich konnte nicht dafür, es tat mir so leid. Ich wollte wieder gutmachen und suchte Sie. In der Sachsenvorstadt bin ich durch fast alle Häuser gegangen ... Es war so traurig, dieses vergebliche Suchen.«

»Es war gut«, sagte die Frau hart. »Ich wollte nicht gefunden sein. Ich beging eine Torheit, als ich zu Malte Treß ging ... Die Not ... Das ist nun vorbei.«

»Ach, das freut mich, daß Sie nicht mehr Not leiden«, sagte Güldenfey.

Die Frau strich mit einer undeutbaren Gebärde über ihre Stirn.

Güldenfey sah, sie war sauber gekleidet, doch die Dürftigkeit hatte ihren Rock gezeichnet. »Ich komme Ihnen heut nicht gelegen,« sagte sie, »und ich habe es auch eilig. Wie ich sagte, ich trat nur ein, um eine Frage zu tun. Doch nun, da ich weiß, wo Sie zu finden sind, darf ich —«

Die Hand, die schon einmal ins Leere gestreckt war, hob sich wieder, doch die Frau ließ sie wieder unbeachtet.

»Nein, Sie dürfen nicht«, sagte sie. »Kommen Sie nicht wieder, ich will es nicht. Ich will, daß das Vergangene vergessen wird. Würden Sie wiederkommen, so wäre das ein Grund, mich aus dieser Behausung ebenso zu verdrängen, wie es schon einmal geschah.«

Güldenfey war trostlos. Was wäre darauf noch zu sagen? »Begreifen Sie denn nicht, daß ich den Wunsch habe, Ihnen ein wenig zu helfen? Und daß dies Wiederfinden eine Fügung ist —?« Ihre Stimme zitterte und brach.