»Aber jetzt ist alles gut, und wir gehen heim. Denken Sie doch an Ihre arme Frau! Können Sie sich aufrichten?«

»Nein!« Er schüttelte den Kopf, mühsam, wie heraufgestoßen klang seine Rede. »Ich will nicht mehr, ich mag nicht mehr. Lassen Sie mich doch umkommen.«

»Aber, Mellin!« Güldenfey wußte nicht, was sie sagte, sie dachte: nur auf ihn einreden, nur den Faden zerreißen, der ihn an das andre Ufer band. Und sie sprach von Mariechen und ihren Kindern; von der sorgenden Frau; sie sprach von ihm und dem Leben im Treßhof. Ach, was redete sie nur!

Sie wußte nicht, ob die Worte in den dunklen Grund seiner Seele fielen. Er hatte das Kinn auf die Brust gestützt, in Bart- und Haupthaar hafteten dürres Gezweig und grüne Baumnadeln, die Augen lagen blicklos wie versunken in ihren Gruben; aufgerissen klaffte der Rock.

»Mellin!« Ach, es war ganz gleichgiltig, was sie sagte. Aber das, was ihr die Worte eingab, war stärker als der Tod, dem er nachlief, das fand die irrende Seele und rief sie aus den Gefilden der Verzweiflung zurück. Sie sah es, er merkte auf, und dann kamen ihm die Tränen.

Durch die Dämmerung des zeitigen Frühlingsabends führte Güldenfey Mellin in den Treßhof zurück.

Das Konzert der Armen

Jörg also wollte kommen und spielen.

Alle, zu denen Güldenfey davon sprach, hatten abgeraten. Wie viele Künstler irrten von einer Stadt zur andern, zogen den schäbig gewordenen Frack an, lächelten, verneigten sich dankend, gaben ihr Bestes und zählten aus dem Ertrag nur so viel heraus, daß sie die Unterkunft und vielleicht noch die Weiterfahrt bezahlen konnten. Ihr Lächeln und Verneigen war nur die stumme Bitte: Laßt mich nicht verhungern! Doch satt wurden sie selten.

»Aber es ist ihm ja nicht um den Verdienst zu tun«, sagte Güldenfey zu Onkel Rolf, dem sie den Plan vorgetragen hatte, denn mit Malte, der mehr denn je in der Siedehitze der Geschäfte steckte, war davon nicht zu reden. »Bedenke doch, er will die Menschen erfreuen und beschenken!«