Onkel Rolfs Finger strich bedächtig das Kinn. Ein Künstler, der nicht verdienen wollte, war ein Unding. »Es hat jetzt keiner die Zeit, sich zerstreuen zu lassen«, entschied er. »Was macht ihr, wenn niemand erscheint?«

Ja, das war freilich zu erwägen. Am liebsten hätte Güldenfey allein gelauscht. Doch Jörg ...

Sie ging zu Klaus, der jetzt mit der Witwe verehelicht war und in der kleinen Villa an den Teichen nach flüchtigen Honigwochen und längeren Reisen das übliche Rentnerdasein dieser Zeit führte. Sein etwas mürrischer Rat war noch weniger tröstlich. Sie teilte ihre Besorgnisse Jörg mit.

Nach wenigen Tagen erhielt sie seine Antwort: er werde trotzdem kommen und das Cembalo mitbringen. Genaue Anweisungen waren beigefügt, und er bat Güldenfey, alles vorzubereiten. Güldenfeys Herz erglühte. Ja, das war Jörg! Und wie er es vorgeschlagen, so sollte es werden.

An einem Morgen trugen viele Straßenecken der Stadt eine gedruckte Bekanntmachung, zu der die Leute die Hälse aufreckten.

»Alle Armen und alle, die diese Zeit müde und traurig gemacht, ladet Jörg Treß zu einer ruhigen Feierstunde ein.« Zeit und Ort waren darunter bezeichnet.

Es ging ein Raunen durch die Stadt. Die Einladung lockte, begrenzte und schloß aus. »Schade!« sagte Frauke. »Ich hätte gern mitgemacht. Nun aber ...«

Malte verließ sein Haus, schritt über den Markt und las. Etwas in ihm empörte sich, aber er verschloß sich. Das da war keine ausgeklügelte Anpreisung, sondern ehrlich gemeint. —

Der große Saal lag im Dunkel spärlichen Kerzenlichts, nur auf dem Chor vor der Orgel und auf der Erhöhung am andern Ende des Raumes war es hell. Hier stand ein Pult neben dem Cembalo. Es duftete nach Veilchen und frischem Grün. Lange vor dem Beginn stand Güldenfey, schlicht gekleidet, aber im Schmuck ihrer lichten Schönheit, an der Tür, die Gäste zu empfangen.

Sie kamen leise die weite Treppe herauf und traten scheu spähend an die Tür. Es war ziemlich dunkel darinnen, sah gar nicht nach den funkelnd prahlenden Sälen aus, in denen man festete und feierte; aber so war es gerade recht: eins sah nicht das andre. Man war keinen neugierigen Gafferblicken ausgesetzt, man fühlte sich allein mit den schweren Gedanken, die man am liebsten aus einem Dunkel in das andre trug, und konnte doch des Kommenden harren, dem man alle Sorgen preiszugeben entschlossen war.