»Ist hier das Konzert?«

Wie wußten sie nur, daß sie zu einem Konzert geladen waren? Davon hatte die Verkündigung doch nichts gesagt.

»Gewiß, gewiß; kommen Sie!«

Und Güldenfey führte sie ein und wies ihnen die Plätze an. In Scharen kamen sie! Wenn Onkel Rolf das gesehen hätte! Alte Mütterchen und gebückte Greise; Frauen im Schulterschal, die Schürze vorgebunden; Männer, die das Tuch um den mageren Hals geknotet trugen und denen ein wenig Armeleuteduft aus den Kleidern stieg; magere Gesichter, die in dem Dunkel sorgenvoller Nächte gebleicht waren, und gefaltete Stirnen, die den narbigen Mauern lange belagerter Städte glichen. Doch nicht die offen Gezeichneten kamen nur. Da waren auch die Rentner aus den kleinen Landhäusern, die ihre Öfen mit dem Sammelreisig heizten, das sie im Stadtwald schamhaft auflasen, und die auf den kleinen Blumenbeeten ihrer Gärten mühsam eine geringe Kartoffelernte hüteten. Da waren auch die Frauen, die das verjährte Festkleid, das ihnen kein Händler mehr abkaufte und das sie doch einst in Glanz und Schimmer getragen, aus dem Schrank genommen hatten, um sich für diesen Abend zu schmücken. Ihre Armut war nicht augenfällig; man mußte auf die Falten um die Augen, auf den eigentümlichen Zug ihres Lächelns achten, um die Wunde zu entdecken, die die zerknitterte Seide verbarg.

»O Herr Oberst, Sie auch!« rief Güldenfey.

Er führte seine Frau am Arm, der Kavalier einer vergangenen Zeit, dessen Gruß immer eine Huldigung war.

»Die Feierstunden sind rar«, antwortete Helf. »Man darf sich keine entgehen lassen.«

Zaghaft wie jemand, der heimlich unterschlüpfen will, erschien auch Frau von Ebel. Ihre Augen irrten an den andern vorüber: O, so viele Fremde! Aber Güldenfey empfing sie und leitete sie behütend an einen verborgenen Platz.

»Wieviel kostet es?« fragte eine dürftige Frau. Ihre Hand suchte emsig in der Tasche.

Güldenfey brauchte einen kleinen Aufwand an Worten, um sie zu überzeugen, daß wirklich nichts gefordert würde.