»Also reden wir zuerst!« fuhr Malte fort. »Dein Spiel! Es war einfach packend, mein Junge. Ich versteh' nicht viel davon, aber das erste Stück, das ich leider nur hörte, überzeugte mich, daß du etwas kannst. Was war es denn?«
»Die D-Moll-Tokkata«, sagte Jörg.
»Wir wußten es ja, daß er etwas darin leistet!« bemerkte Harro.
»Doch das erwartete ich nicht. Woher hast du das nur?«
Harro strich mit den flachen Händen über die Armlehnen seines Stuhls. »Mutters Erbteil!«
»Angenommen, ja! Aber dennoch ...« Malte erging sich weiter in lobenden Worten.
Jörg saß still und hörte ohne ein Zeichen befriedigten Stolzes zu. Ein Abglanz von der Ergriffenheit, die ihn während des Spiels durchschüttert, war noch auf seiner Stirn. Er wartete auf das, was kommen würde. So leicht gab Malte seinen Vorsatz nicht auf. Und es kam.
»Wir geben zu, lieber Junge, daß du in dir trägst, was dich zum Künstler befähigt. Ich nehme auch den Zweifel zurück, daß es dir an technischer Fertigkeit mangle. Ja, ich glaube, du besitzt beides. Aber das wird jetzt nicht gefordert. Die bedrängte Zeit fordert Arbeit, rechtschaffene Arbeit, die man in Verruf getan. Von Menschen deiner Art aber, die sich in glücklicheren Tagen zu ihrer und andrer Freude ausleben durften, fordert sie Opfer. Jeder, auch ich soll es bringen. Von dir fordere ich es ebenfalls.«
Jörg hatte auf das Spiel der Stäubchen im Sonnenstrahl geachtet, solange Malte sprach. Es waren gute Worte, die an ihn gerichtet waren; sie machten ihm die Antwort schwer.
Jetzt richtete er sich auf und sah den älteren Bruder gerade an. Es war, als wolle er sein Innerstes vor ihm aufschlagen. »Danke, Malte. Du versuchst mich zu verstehen, das freut mich. Das Opfer, das du forderst, kann ich nicht bringen. Morgen kehre ich nach Schlesien zurück, aber nicht zum Jus. Ich studiere Musik.«