»Ist das deine ganze Erklärung?« fragte Malte.

»Nein, Malte! Ich werde dir erklären, warum ich so handle. Versuch' auch das zu verstehen. Auch ich will Deutschland helfen. Ich will aber nicht, daß, wie du prophezeitest, das Geld der kommende Herrscher wird. Dagegen werde ich wirken mit aller Kraft, denn das machte unsern Untergang gewiß.« Er richtete sich herrisch auf. »Deutscher Geist unter der verknöchernden Faust des Mammons! Wer beide kennt, sagt: Das ist undenkbar! Jedoch ... Ich will dem deutschen Menschen zu seiner Seele verhelfen. Weil er sie verlor, darum ist das alles über ihn gekommen, diese Hetze, diese Verlassenheit, dieses Elend.«

»Hör' einmal!« rief Harro. »Warum wirst du nicht Theologe?«

Malte machte eine Bewegung, die ihm Einhalt gebot.

»Ich tu' es auf die Art, die mir gemäß ist«, fuhr Jörg fort. »Wahrhaftigkeit, Einfachheit lehrt die alte Musik, sie wird von den Leuten auch so verstanden. Mit meinen Mitteln will ich ihnen predigen.«

Malte stand auf, ging einige Schritte und setzte sich wieder. »Wie kamst du eigentlich auf diese Idee?« fragte er.

»Darauf muß ich dir die Antwort schuldig bleiben. Das ist ein Erlebnis, das mir sehr teuer ist.«

Etwas erschütterte Malte, etwas, über das er sich nicht Aufschluß geben konnte. Es war nicht der Widerstand. Ein Treß ohne den eisernen Willen wäre ihm undenkbar gewesen. Aber dieser Gegensatz! Diese bis in die äußersten Wurzelfasern andre Art! Seit vierhundert Jahren sann man im Treßhof auf Erwerb und Mehrung des Besitzes, und jetzt kam einer, der von der deutschen Seele sprach. Kaufleute waren sie und als Nebenreiser waren Seefahrer, Soldaten, Juristen dagewesen, aber nie Bücherhocker und Phantasten.

»Deine Zeichnung bezog sich wohl auch auf meine Worte von Deutschlands Zukunft?« fragte er.

Jörg nickte.