»Und du meinst, wir sollten arm bleiben?«

»Wir sollen mit Stolz tragen, was uns das Schicksal gab. Aber lieber arm als unfrei.«

Wieder spürte Malte die Kluft vor seinen Füßen. Wie geriet der fremde Geist in dieses Haus! Ob der Vater das geahnt hatte? Gewisse Anzeichen deuteten darauf hin.

In diesem Augenblick trat Frauke ein. Sie blieb auf der Schwelle stehen und sah kühl über die Brüder hin. Es war etwas in ihrer Erscheinung, was Jörg reizte. Ihr seidig umrauschter Gang? Ihr nicht schönes, aber in seiner Unbeweglichkeit sphinxhaftes Gesicht? Die unbeirrbare Sicherheit ihres Auftretens? Er wußte nicht, was es war, er fühlte nur bei ihrem Anblick, daß etwas in ihm sich angrifffreudig erhob.

»Ich glaubte, ihr wäret fertig«, sagte Frauke.

Malte ging ihr entgegen. »Noch nicht ganz. Aber, bitte, bleib hier!« Er rückte ihr ritterlich den Stuhl. »Wir geraten in einen Streit über die soziale Frage«, fuhr er fort. »Bleiben wir bei der Sache! Deinen Standpunkt in Ehren, Jörg, doch ich sage dir, ein Treß kann nicht Künstler sein. Ich bitte dich: gib es auf.«

Wie kommt ihm jetzt, da Frauke hier ist, dieser andre Ton? dachte Jörg. Deckt er erst sein Innerstes auf, oder erstickt der Respekt vor seiner Frau das brüderliche Verstehen?

»Nachdem ich dir Grund und Ziel meines Entschlusses dargelegt, ist es unrecht, das geringzuachten, was ich sein will«, sagte er. »Du willst mich bereden, daß ich mir untreu werde.«

»Du kannst deinen Idealen in jedem Berufe leben«, entgegnete Malte knapp.

»Nein!« Jörg stand auf und reckte sich unwillkürlich. »Sag' es doch getrost, Malte, es ist der ›Künstler‹, der dich ärgert.«