»Nun also, ja!«

»Danke! Du bist eben von den Ansichten deines Standes beengt. Wärst du das nicht, würdest du wissen, daß der Name Treß vielleicht gerade dadurch in eine höhere Rangklasse aufrückt.«

Harro lachte auf, auch um Maltes ernsten Mund glitt der Schein eines Lächelns.

»Verzeiht, das soll kein Dünkel sein,« sagte Jörg, »doch ihr rubriziert nun einmal, und darum sag' ich euch dies: Wir Künstler, die wir unserm Beruf folgen und das Göttliche offenbaren, sind doch die Könige auf Erden. Lacht bei euren fetten Suppen über unsre Wunderlichkeiten! Schreit uns mit euren Autohupen an: Platz für uns! Laßt uns in Lumpen hinter den Hecken verkommen! Wir sind doch die Träger dessen, was ihr Kultur nennt. Keiner von euch kann uns unsre Würde entreißen, solange wir dem Heiligen in uns treu bleiben.«

Er war wieder in den Sonnenstreifen getreten, sein Gesicht war von außen und von innen durchleuchtet. Er trug in Wahrheit eine Krone. Fraukes Augen staunten, Malte schien bewegt.

»Morgen in der Frühe fahre ich. Werden wir uns noch sehen?« Jörg war zu ihm getreten und streckte ihm die Hand hin: »Ich weiß, du hast wenig Zeit.«

Malte wußte jetzt: hier sind Worte übrig. Man sprach noch von gleichgiltigen Dingen, etwas, das den Abgang vermittelte und Unwiderrufliches abseits ließ. Dann gingen die Brüder. —

Malte stand am Fenster und blickte auf den mittaglich hellen Platz. Drüben in der Reihe der Staffelgiebel die schwarzrötlichen Zacken des Wülflamhauses. Hatte er nicht schon als Knabe geträumt, das Erbe dieses trotzigen Geschlechts antreten zu wollen? Nicht einmal den störrigen Knaben von zweiundzwanzig Jahren konnte er zur Vernunft bringen.

Er fühlte sich unterlegen wie noch nie. Die Kluft im Blut? Die neue Zeit? Nein, da war noch etwas andres, ein Geist, den er bisher nicht gekannt, der plötzlich Gestalt angenommen hatte. Wir sind doch die Könige! Wir tragen allein das, was ihr Kultur nennt.

»Es ist ja Unsinn!« sagte er laut.