Froh gegrüßte Gäste — wo traten die jetzt noch in eine Tür? In den Taschen der Boten, die zweimal täglich von Haus zu Haus gingen, waren unheilbringende Nachrichten, die die Stirnen der Empfänger verdüsterten. Scheu folgten die Blicke den Trägern: Was wird er jetzt bringen? Und öffneten sie die Papiere, so lasen sie, was ihr Herz mit neuem Kummer füllte.

Häberle blickte mit geheimem Kummer der Post entgegen, seit sein Chef von der Reise zurückgekehrt war. Malte schien freier denn vorher, doch Häberle verharrte in schweigendem Mißtrauen. Es kam, wie er's erwartet hatte.

An dem Samstag vor dem Osterfest trat der Bote gewichtig ein und lud an Brauns Tisch seine Schreiben ab. Häberle rückte seine Brille zurecht, tat, als summiere er die Gehaltliste, und spähte doch durch die Spalten seines Verschlags aus. Es gab ein langes Verhandeln, endlich ging der Briefträger.

Warum kam Braun nicht? Warum zögerte er die Durchsicht so lange hin? Endlich war es so weit. Den ersten Brief des Stapels, der Häberle in die Hände fiel, erkannte er als das versiegelte Schreiben des Ringes. Er wußte, was darin stand, und fand seine Ahnung bestätigt: der Ring kündigte dem Hause Treß die Arbeitgemeinschaft. Was nun in dieser Zeit beginnen! Häberle hatte das Unheil auf sich zuschreiten sehen. Nicht allein vermöge seines kaufmännischen Scharfblicks. Er war Mitglied eines astrologischen Vereins, und das Horoskop hatte Unheil vorausgesagt. Was nun? Er scheute sich, das Zimmer des Chefs zu betreten, er konnte den Anblick nicht ertragen, wenn er Malte vor dem Zusammenbruch seiner Hoffnungen sah.

»Herr Häberle!«

»Herr Konsul?«

Es mußte sein. Häberle raffte die Briefe zusammen und trat ein. Er zwang seinem Gesicht einen sorglosen Ausdruck auf. Malte erschien ganz unbekümmert. Um so schwieriger!

»Nun, nichts von Bedeutung da?«

Malte wunderte sich, daß Häberle nicht antwortete, sondern sich mit den Briefen zu schaffen machte. Er blickte ihn an. Warum bebten dem Mann die Hände? Er sah auf den Kopf des Briefes, den jener vor ihm ausbreitete, und wußte alles.

Schweigen, Schweigen. Wie erdrückende, atembeklemmende Mauerwände stiegen die Sekunden auf und wurden lang und lastend. Malte bewegte sich zuerst. Er nahm das Schreiben und las; nein, er las es nicht, er suchte nur das Wort Kündigung, das genügte.