Malte empfand jetzt erst die Weite dieses Geschehens, da Häberle ihn auf Hamburg verwies. Sollte er dort als Bittender erscheinen, wo man ihn stets als Gast empfing? Schwiegersöhne als Fordernde waren unbeliebt, und man wäre im Hause Poppelmann sehr geneigt gewesen, hinter der Bitte um Rat einen andern Hilferuf zu wittern. Dennoch — wenn Gefahr in Verzug war, konnte das Richtwort der Poppelmanns: Selbst ist der Mann! nicht beachtet werden.
Häberle verließ seinen Chef einigermaßen verwundert. Dieser die Tat über alles Schätzende zögerte. Unterlag er einem Schreck über die unerwartete Wendung oder war der Kraftstrom am Versiegen? Häberle versuchte, sich sofort mit befreundeten Großbanken in Verbindung zu setzen. —
Solange der Tag lärmte, war es in Maltes Innerem ruhig. Doch es kam die Nacht. Die Schatten huschten dann, die die Lawinen wälzten.
Er saß mit Frauke zu Tisch, und sie redeten von fernliegenden Geschehnissen wie gewöhnlich, kühl und verbindlich. Mellin.
»Verzeih, du sprachst von Mellin?«
Frauke sah ihn verwundert an und wiederholte etwas gedehnt ihre Frage.
»Ja, er scheint sich in sein Los zu finden. Er ist sehr still, seltsam verschlossen, aber er verrichtet seine Arbeit ohne Murren. Er dauert mich, der arme Wicht!«
»Seltsam, wie er das so bald verwinden konnte. Ich ...«
Frauke brach ab und schenkte Tee in ihre Tasse. Sie liebte es nicht, von ihren Gefühlen zu reden.
Malte spähte zu ihr hinüber. Hätte sie doch gesagt, was sie empfand! Vielleicht wäre das Wort eine Brücke geworden.