Ach ja, jene, die tagsüber da draußen über den Zahlen saßen, neideten ihm, das wußte er, sein Herrendasein. Wenn sie wüßten, welche gezähnten Mächte an ihm fraßen, während sie sich, aller Verantwortung bar, vergnügten oder zufrieden auf ihr Lager streckten!
Ein Mensch, ein Mensch, gegen den er sich hätte aussprechen können! Freunde hatte er nicht, die ihm durch dick und dünn gefolgt wären; er hatte nur sogenannte Freunde. Und Verwandte, die ihn und seine Lage verstanden hätten? Harro, Onkel Rolf, Klaus etwa? Jörg; ja, der trug etwas vom Wikingerblut in sich, den Tropfen des sich durchsetzenden Trotzes. Aber das war eine andre Welt.
Plötzlich stand er auf, herrisch schob er das Buch zurück: seine Frau; wozu hatte er eine Frau? Was nützte es, wenn zwei nebeneinander und nicht miteinander lebten! Sie wollte er fragen, sie mußte ihm Rede stehen. Er löschte das Licht und begab sich nach oben.
Leise betrat er Fraukes Schlafzimmer, in das der Mond schien. Sie erwachte nicht. Sie lag da, die Decke bis unter das Kinn heraufgezogen; eine Locke hatte sich verschoben und krauste sich wie ein Fragezeichen auf ihrer Stirn. Ihre rechte Hand, die den Ehereif trug, war unter der Decke hervorgeglitten, und durch die feinen Ringe am Gelenk ging die leise Bewegung des tiefen Atmens. In dem Gelöstsein des Schlafes erschien sie verändert, eine fast kindliche Weichheit lag versöhnlich um Mund und Braue.
Malte zog einen Stuhl herbei und setzte sich, um sie zu betrachten. Das war die Frauke, die er als erste mit dem Wunsch, sie zu besitzen, angeblickt hatte, damals in Harvestehude, beim Reifenspiel auf glatt geschorener Rasenfläche, zwischen Agaven und Lorbeerkübeln.
Nein, Erwägung und Stolz hatten nicht vorangestanden, die waren erst später zu Wort gekommen. Als erstes war der Wink gestanden, der sich an die Tiefen der Seele richtete.
Wie wunderbar ging das Spiel der Mächte, die Mann und Weib aneinanderbanden! Warum gerade diese ihm wurde, ihm, der im tiefsten der Frau so sehr bedurfte! Warum diese, um die immer ein leises, nein, ein spürbares Abwehren und deutliches Versagen war?
Plötzlich erwachte Frauke. Er hatte nicht geseufzt, nur seine Nähe konnte sie aufgestört haben.
Sie hob den Kopf und sah ihn an, dann entzündete sie die Lampe. Im Strom künstlicher Helle zerfloß auf ihren Zügen alles, was in Malte die rührenden Gedanken geweckt hatte.
»Du?« fragte sie.