»Welches ist der Grund?«
Doch kaum hatte er zu sprechen begonnen, da warf sie sich unmutig zurück und entzog ihm die Hand. »Ist es nötig, mich deswegen weit nach Mitternacht zu wecken? Ist der Tag nicht lang genug dafür?«
»Frauke, ich brauche dich gerade jetzt.«
Warum dieser bittende Ton? Sie war gänzlich verwandelt, auch in dieser Stunde die beherrschte Frauke Poppelmann. Sie zog die Decke hüllend wieder bis an das Kinn. »Bitte, ich bin müde!«
Malte stand auf, er schob den Stuhl wieder auf den Fleck, da er gestanden. »Ich glaubte bei dir zu finden, was ich nirgendwo finden kann«, sagte er bitter.
Sie antwortete nicht; er zögerte noch ein paar Sekunden. Da streckte sie die Hand nach der Lampe aus, als wolle sie diese verlöschen. Malte ging.
Bald nach dem Fest reiste Malte nach Hamburg. Als er zwei Tage später heimkehrte, wußte er, daß diese Bemühung umsonst gewesen war: er war wieder der freundlich bewillkommnete Gast gewesen. Das, was er gewollt, hatte er nicht erreicht.
Hinter der Wohlerzogenheit der Poppelmanns stand immer das behende Mißtrauen der Goldwäscher oder Jäger des fernen Westens, die in reger Bedachtsamkeit darüber wachen, daß keiner in ihre Spuren tritt, die aber auch ebenso ängstlich jede Teilnahme an der Fährte des andern verdecken.
Der alte Josias mit den weißen Bartstreifen auf den Wangen, dem glattrasierten, schmeckenden Mund und den eigen gewölbten Brauen, die er oft so verweisend in die Höhe zog, hatte ihn natürlich angehört. In seiner jetzt etwas vorgeneigten Haltung hatte er Maltes Bericht gelauscht. Doch seine Antworten waren spärlich wie die Weisheitsprüche eines morgenländischen Heiligen gekommen und fast erzwungen worden.