Aber er unterbrach sie, fing an, von anderm zu sprechen, von Berlin, von seiner Reise dorthin. Dann fragte er, ob sie wisse, wo Harro seinen Ferienaufenthalt genommen habe.

»Wolltest du dich mit Harro treffen?« fragte sie.

Malte zuckte die Schultern. »Der ist mir auch nicht freundlich gesonnen; ich werde alle Gänge allein erledigen müssen.« Er grub die Zähne in die Lippe, dann schüttelte ihn etwas wie ein Frost. Er riß sich zusammen, doch er fühlte, daß sich der Zwang in ihm löste und die Maske sank. Ein weinerlicher Zug veränderte sein strenges Gesicht.

Plötzlich stand Güldenfey an seiner Seite, ihre Arme legten sich um seinen Hals, und nun fiel sein Gesicht schwer auf ihre Schulter. »Armer, du Armer!« sagte sie. Ihre Hände strichen an ihm nieder, der wie ein Knabe vor ihr stand. »Ich gehe mit dir, ich begleite dich. Nein, sag' nichts dawider. Ich tu' es ganz gewiß, keiner hält mich davon ab. Morgen? Natürlich morgen. Ich bin bereit. Wir Treß müssen doch zusammenstehen.«

Malte mußte sich fügen.


Sie waren in der Hauptstadt Deutschlands. Güldenfey ließ es sich nicht nehmen, Malte auf seinen Gängen zu begleiten, und er, der Älteste des Hauses, der Vaterstelle vertrat, ließ es sich gefallen. Wer konnte Güldenfey widerstehen, wenn sie bat! Und sie bat so beweglich.

Ehemals — nein, da hätte Malte sich dagegen ernstlich verwahrt. Doch er war ein andrer geworden: weich, nachgiebig und ein wenig hilflos. Er war in der Verfassung, angesichts derer Frauen den ganzen Segen ihrer erbarmenden Mütterlichkeit ausströmen dürfen, ohne zu verletzen.

»Güldenfey, ich habe wahrscheinlich während des ganzen Vormittags auf der Bank zu tun; es ist sehr anstrengend, die Luft, das Warten. Möchtest du nicht wenigstens heute hierbleiben?«

Sie hielt ihren Hut schon in der Hand und blickte ihn lächelnd an. »Vergißt du unsern Pakt?« fragte sie.