Malte schwieg und ließ sie gewähren. Es war ihm ja lieb, wenn er sie an seiner Seite schreiten sah, es flößte ihm Zuversicht ein, wenn ihm während der zermürbenden Aussprache mit irgendeinem Verantwortlichen hinter gepolsterten Türen der Gedanke kam: Draußen sitzt Güldenfey, ihre Gedanken gehen behütend und sorgend auf dich.

Ach, dieses Warten in den großen Sälen der Banken, durch die unablässig der Strom einer unbegreiflichen Geschäftigkeit brauste! Diese Flut von Angst und Erwartung, die an den Schaltern vorüberrann, dieses Wühlen in Papieren und Zahlen! Sonnenlicht drang nicht in diese Räume, deren Decken marmorverkleidete Säulen stützten, und doch waren sie von zahllosen elektrischen Glühpunkten erleuchtet. Wenn man eintrat, war es, als tauche man unter die Erde, in das Getriebe eines Bergwerkes, wo ungeahnte Metalle in den Basalt eingeschlossen ruhten, und tausend Hände gruben nach ihm, schürften, schleiften, hämmerten mit verzerrten Mündern und schweißnassen Stirnen.

Sie mußten früh altern, diese Schaffer, die schon in ihrer Jugend die herbstliche Welke auf den Wangen trugen. Nicht durch die suchende Arbeit allein, mehr noch durch das rastlose Bemühen, ohne Mut und Aussicht dem Widersinn Frondienst zu leisten.

Endlich kam Malte.

»Bist du zufrieden, lieber Malte?«

Er zwang sich ein Lächeln ab und sprach ein paar nichtssagende Worte. Güldenfey unterließ es bald, ihn zu fragen. Warum ihn nötigen, seine Enttäuschungen zu verstecken? Von nun an begann sie, heiter zu erzählen. Aber auch das sollte mit Vorsicht geübt sein, denn er brauchte Zeit, seine Gedanken zu sammeln. Nur nicht stören, denn dann schickte er sie fort! —

»Kind, ich muß noch einen Besuch in einem Privathause erledigen und kann dich nicht mitnehmen. Du erwartest mich zu Hause.« Malte hob schon den Arm, um einen Wagen heranzuwinken.

»Darf ich nicht die hübschen Dinge in diesen Schaufenstern betrachten?« fragte Güldenfey.

Er sah sie zweifelnd an, und sie nickte ihm, ihre Worte bestätigend, zu. Als ob sie dem Tand viel nachfragte! Doch er gab nach. Es war so trostreich, zu wissen, daß sie ihn erwartete.

»Auf der Straße und allein? Wenn ich mir das hätte vor einem Jahr noch zutrauen sollen«, sagte er.