»Lebewohl!« sagt sie. »Wir haben uns wohl jetzt weiteres nicht zu sagen.«

»Nein«, erwidert Malte. Er erfaßt den Sinn ihrer Worte nicht.

»Was zwischen uns zu erledigen ist, kann schriftlich geschehen.«

»Gewiß.«

Frauke merkt, daß er noch immer nicht versteht, um was es geht. »Meines Vaters Anwalt ...« Sie hält inne, denn der Blick, der sie trifft, ist entsetzlich. Jetzt hat er begriffen. Sie sieht, wie die Erkenntnis in ihm wühlt.

»Ich hätte es wissen können, wäre ich nicht von zu hohen Erwartungen beseelt«, sagte er endlich bitter. »Frauke Poppelmann kann nur im Glanz des Reichtums atmen; Opfer bringen, nein, das liegt fern von ihrer Art.«

»Es ist nicht nötig, daß du mich kränkst«, sagt sie.

»Kränkt die Wahrheit?«

Plötzlich erwacht das alte Treßblut in ihm, das Seeräubergeblüt, das die Männer ehedem anstachelte, sich die Frauen der Inseln zu rauben und mit gewaltsamer Hand zuzupacken. Wahrlich, es hat bei dieser da wenig gefrommt, abzuwarten und zu werben! Was ist der Lohn? In der Stunde, da Mann und Weib eins sein müssen wie nie, geht sie davon und überläßt ihn den wilden Hunden. O, er war immer allein, immer allein! Jetzt es ihr sagen, sie die Wahrheit bis zum Bodensatz kosten lassen. Und er sagt es ihr.

»Du hast mich nie geliebt, Frauke, nie, nie!«