»Frauke, ich weiß, du hast durch uns viel verloren. Es ist mir leid. Malte würde dich gewiß beklagen, aber denk', wieviel jetzt durch seine Seele geht. Glaube mir, er wird dir alles ersetzen, und kann er es nicht, so stehen wir andern für ihn ein.«

Frauke will auflachen, doch vermag sie es nicht: etwas ist da, das sie verstummen läßt.

»Jetzt« — Güldenfeys Augen leuchten wieder in dem sieggewissen Glanz — »jetzt freilich kann ich dir nichts geben als dies. Es ist nur ein kleiner Stein und doch sehr wertvoll: der Segen unsrer Mutter haftet an ihm.«

Sie hat das Kettlein von ihrem Hals gelöst und reicht ihr den Amethyst dar.

Lächelt Frauke nicht ihr altes spöttisches Lächeln, hebt sie nicht die Schultern in der ihr eignen Bewegung? Nein, sie steht unbeweglich und blickt Güldenfey starr an. Es rührt sich eine Bewegung in ihr, die nur darin ihren Ausdruck fände, daß sie ihre Arme um des Mädchens Hals schlänge. Doch das hat sie nie getan, sie, die Tochter Josias Poppelmanns.

»Ich danke dir, Güldenfey«, sagt sie abweisend, und Güldenfey steckt den Stein traurig wieder ein.

»Erfüll' mir wenigstens eine Bitte, Frauke, und erlaube, daß ich während dieser Nacht in eurer Wohnung bleibe.«

»Gewiß. Aber warum?«

»Wegen Malte. Er darf jetzt nicht allein bleiben. Mir ist bange um ihn.«

Wieder spürt Frauke diese elementare Bewegung in sich, und wieder hat die Poppelmannsche Gehaltenheit die Oberhand. Sie nickt, sie will etwas sagen; da kommt Telge, und sie scheiden wortlos voneinander.