»Von den andern, ja. Aber von Ihnen, gnädiges Fräulein — nein; das konnte ich nicht. Und jetzt kommen Sie doch gerade an.« Er konnte sich nicht meistern. Große Tränen rollten in seinen Bartkranz.

»Telge, alter treuer Telge!« sagte Güldenfey. Und nun weinte sie auch. —

Abschied, Abschied!

Die Räume des Hauses waren entleert, die Dinge, die sie geschmückt und traulich gemacht hatten, rollten einem fernen Lande zu oder standen in den Schatten der Böden. Man mußte Raum für Malte und Frauke schaffen, die nach ihrer Heimkehr aus dem Bade hier einziehen wollten. Nur einige Zimmer waren unberührt in ihrem Zustande erhalten geblieben.

Ose ging wie der gute Geist der alten Zeit durch das Haus und schaltete in allem. Die Geschwister waren in einen edlen Wettstreit geraten, wer von ihnen die Alte zu sich nehme. Sie hatten ihn schlichten wollen, indem sie Ose die Wahl ließen, doch damit hatten sie die Alte vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens gestellt. Ihr Herz zog sie zu Güldenfey und Jörg, und doch — die Heimat! Schließlich hatte sie sich entschieden, während des Sommers zu den Jüngsten zu gehen und den Winter im Treßhof zuzubringen.

»Nun, war er hart, der Abschied von deinem vergessenen Garten?« fragte sie, als Güldenfey heimkam. »Der Weg, den du jetzt gehst, hat viele böse Stufen und ist nicht leicht.«

»Man darf gar nicht daran denken, Ose«, erwiderte Güldenfey. »Es ist noch soviel Grund zur Freude da: daß uns der Treßhof verbleibt, und daß Malte wieder gesundet.«

Sie dachte daran, wie sie vor kurzem Malte und Frauke zur Bahn begleitet hatte. Er konnte schon an zwei Stöcken gehen und war voll dankbarer Milde. Und Frauke ... ja, wenn man an sie dachte, dann wurde man wundergläubig, wenn man es nicht schon gewesen war.

»Du Glückskind!« sagte die Alte kopfschüttelnd.

»Ja, das bin ich«, erwiderte Güldenfey und berührte dankbar den Stein auf ihrer Brust.