Man spürte ihm die Unruhe an. Warum nur? dachte Jörg. Eine Testamentsverlesung ist doch ein feierlicher Vorgang. Aber Harro redete immer, als ob er seine Mannschaft zum Sturmangriff riefe und das Knattern des Feuers überschreien müsse. Vielleicht war ihm dies in seiner Tätigkeit als Rufer im Parteienstreit von Nutzen.

Er wartete eine Antwort Jörgs nicht erst ab, sondern ließ sich gleich von etwas anderm fesseln. Die Alte war um den Tisch gegangen und hatte Papier und Bleifedern ausgelegt. Jetzt trat sie an die Fenster, um die Vorhänge zu schließen, und spähte eine Weile angestrengt hinaus.

»Was ist, Ose? Kommen sie?« fragte Harro.

Sie schüttelte den Kopf, schwieg und blickte wieder aus.

Da trat er neben sie. »Was geschieht denn dort?«

»Sie ist wieder da«, sagte sie und wies auf die Torfahrt, wo Harro am Prellstein etwas Schattenhaftes zu erkennen glaubte.

»Wen meinst du nur?«

»Nun, sie, die Frau! Sie ist wieder in der Stadt, Kind.«

Harro starrte hinaus. »Wirklich, Ose? War sie schon hier? Wie denkst du ...?«

Aber Ose antwortete ihm nicht, legte den Finger an den Mund, trat zurück und griff die Schnur der Gardine.