Güldenfeys Hände glitten leise über das braune gewellte Haar. »Warum nur klagen?« sagte sie innig. »Es ist ja so schön, ganz wunderschön! Wie freue ich mich, daß ich eine Schwester habe!«

»Es kam so jäh, es hat mich erschreckt.«

Die feinen Hände strichen auf und ab. In diese Stunde gehört eine Mutter, nur sie vermochte zu sagen, für das keins das einzige Wort fand. Wie fern lag das versunkene Grab!

»Aber ...« Güldenfey nestelte an ihrem Hals und zog den blauen Veilchenstein am Kettlein hervor. »Den mußt du tragen diese Nacht und wirst ruhig werden«, sagte sie. »Er ist von meiner Mutter. Es sind heilende Kräfte darin.«

Und sie streifte Marfa das Angebinde über.

Der Brunnen brach auf. Waren wirklich Segensmächte in dem Amulett? Löste das Ereignis verborgene, verirrte Ströme in dem jungfräulichen Blut? Marfa ward eine andre. Ihr Blick wagte sich in das Leben, das vor ihr lag, und fand hier und dort ein wenig Glanz. Und allmählich kam ein schüchternes Lachen in ihr auf. Vor allem: ihre Liebe, die lange des Anhauchs aus Menschenmund gewartet, brannte wie eine Fackel. Endlich war gekommen, für das sie leuchten durfte, ein Zweck, eine Aufgabe war da. Hemmungslos legte sie sich in der Gewißheit des Geborgenseins in die werbenden Arme und wirkte an ihrer Hingabe wie an einem bunten Teppich, den sie vor Harro ausbreitete.

Wenn die Rosen blühten, sollte Hochzeit sein, so hatte es sich Harro gewünscht, und so geschah es. Güldenfey hatte alles vorbereitet, und Ose sorgte wie eine Mutter. Seit dem Augenblick, da Marfa sich mit Jawort und Kuß Harro verlobt hatte, war sie für Ose eine Treß.

Malte nahm die Mitteilung von des Bruders Entschluß schweigend auf. Es war etwas in Harro erwacht, das jeden Einwand ausschloß. Malte hatte Frauke um ihre Meinung befragt; Frauke hatte nur stillschweigend die Schulter gehoben. Es lohnte nicht, feststehenden Dingen andre Möglichkeiten zu geben.

Aber die Hochzeit! Daß Marfa sich ausgebeten, die Feier möge ganz schlicht vor sich gehen, wollte ihm nicht gefallen. Ja doch, die Zeit gebot Beschränkung, und was hinter der Braut lag, verlangte Stille. Überdies war das Trauerjahr geltend. Doch dieser Zwang quälte ihn. Gern hätte er der Welt gezeigt, daß es sich die Treß leisten konnten, eine arme Verstoßene zu freien. Er sah von seinem Fensterplatz zum Wülflamhaus hinüber. Wieviel Ellen flandrisches Tuch hatte der zähe Bertram dem Ratsverbot zum Trotz von seiner Tür bis nach St. Niklas legen lassen für seines Sohnes Hochzeitsgang?

Jörg kam, und Engelke hatte sich ausgebeten, als letzten Dienst im Treßhof das Festmahl herzurichten. Am Tage darauf sollte sie ihr Stübchen im Heiligen Geist beziehen.