»Gefällt es dir?« fragte Güldenfey, die Kammer und Stübchen hergerichtet hatte.

»Viel zu fein für mich«, sagte sie und sah sich um. Sie behielt den kleinen Hut mit dem ewigen Veilchenstrauß, der im Sommer den Strohkapott und im Winter den Samtkapott zierte, auf dem Kopf, als sei sie nur auf Besuch hier.

»Wenn ihr mich einmal hier forttragt, braucht's so viele Rosen nicht«, fuhr sie fort und streichelte dankbar Güldenfeys Hand.

Sie mußte nun alles beschauen, was Güldenfey eingerichtet. Sie tat es, ohne eine Miene zu verziehen. Ja, es war sehr schön, die Liebe, die ihre Treue geweckt, würde sie hier wärmen, aber heimisch würde sie sich nicht fühlen. Ihr Mutterboden lag da, wo der Treßhof an die Stadtmauer stieß, wo der Blick aus dem Mansardenstübchen über die Teiche ging und die Sperlinge in wildem Wein und Efeu lärmten. Vierzig Jahre tagaus, tagein auf der gleichen Stelle. Wen zöge es nicht beständig dahin zurück!

»Ihr fahrt nun nach Heilisoe?« sagte Engelke.

Ja, sie wollte auf der Insel, wo sich jetzt der Sommer auftat, eine Woche verweilen, bis Harro und Marfa von Schweden zurückkehrten.

»Ich bin so glücklich, daß wir unser Sommerhaus in Heilisoe behalten«, sagte Jörg. »Malte wollte auch das aufgeben.«

Engelke horchte auf. »Wollte der Konsul das? Nun, es ist gut, daß er es nicht getan. Es wäre eine Sünde.«

»Warum Sünde?« fragte Jörg.

Sie berichtete, was Fräulein Fink ihr erzählt: Vor langer Zeit sei die Herrschaft von Heilisoe in die Stadt gekommen. Die Vorfahren seien dort Fischer gewesen, deshalb wären im Wappen der Herrschaft zwei Fische bis auf den heutigen Tag.