»Aber warum sollte es Sünde sein, wenn Malte das Haus verkauft hätte?« fragte Jörg.
Die Alte schüttelte den Kopf, als begriffe sie die Frage nicht. Plötzlich legte sie die Hand auf das Testament. »Es ist dort eure Heimat«, sagte sie. »Von Heilisoe seid ihr gekommen, nach Heilisoe müßt ihr immer wieder zurück. Die Heimat darf keiner aufgeben.«
Güldenfey fiel es erst, als sie zum Aufbruch liebevoll mahnte, auf, daß Jörg vor sich hinsann. »Er hat wieder eine Melodie gefunden«, sagte sie.
»Die schönste, Güldenfey«, entgegnete er.
Es war ein Abschied, als sollten sie sich nimmermehr wiedersehen. Engelke stand in ihrer Tür, hatte den Mund hart geschlossen und sah den beiden mit starren Augen nach. Da gingen sie hin, und sie blieb hier. Sie würden wiederkommen, doch sie würde immer hier stehen und ihnen nachblicken ...
»Wirst du mir deine Melodie vorspielen?« fragte Güldenfey.
Aber Jörg antwortete nicht.
»Nach Heilisoe müßt ihr wieder zurück. Hast du sie dabei angesehen, Güldenfey? Sie sah aus wie eine Sybille.«
Telge stand am Steuerrad und lenkte das Motorboot aus dem stillen Hafen. Es ging wieder auf Fahrt, es gab wieder zu tun. Dieser vergangene Winter und die Krankheit des alten Herrn hatten ihn seinen Bootsmannsberuf nicht ausüben lassen, seit er im Dezember aus dem Felde heimgekehrt war. Diese Handlangerdienste und Notknechtsarbeiten hatten ihm wenig behagt. Daß du die Motten kriegst! Er blickte verstohlen nach seiner jungen Herrschaft und spie über Bord.