Sie schüttelte ängstlich den Kopf.

»Du bist ein höherer Mensch, du bist ganz Liebe«, sagt er. »Dein Wesen ist wunderschöne Musik. Wenn ich meine Kunst nicht mehr üben, sondern sie wie du leben kann, dann ist sie echt.«

Güldenfey sah mit abgewandtem Gesicht über das Meer. »Und das ...?« fragte sie.

»Das ist das Wunder der Armut«, antwortete er. »Losgelöst vom Schein und Scheinhaften, fern von dem, was diesen kläglichen Reichtum des Erfolgs verspricht; nur der Liebe dienen, weil sie verpflichtet.«

Sie legte beide Hände auf ihr klopfendes Herz. Sprechen konnte sie nicht. Wie weiß er das alles? dachte sie. Wie kommt das alles in ihn? Uns Menschen des werkenden Blutes liegt das doch fern. —

Diese Abende auf Heilisoe waren unbeschreiblich. Der Himmel war das Spiegelbild der Zeit: eine große klaffende Wunde, und unter ihm lagerte tiefblaues Gewölk wie eine steinerne Schale, deren Rand in gehämmertes funkelndes Silber gefaßt ist, die feierlich das tropfende Blut empfängt. Der Wind wellte die Wasser wie ein zartes Frauenkleid und schrieb auf die Fläche krause Zeichen, die bald zerrannen. Dann spaltete sich das Licht des Abends in flammendes Orangengelb und dunkles Veilchenblau, und die Schatten verdichteten sich um die Segel der Fischerboote, die in der Ferne wie große Vögel schwammen.

So sahen sie es von den Hünenhügeln aus, wo um die Stelle, da der Opferstein gestanden, am Fuße eines uralten verkrüppelten Weißdorns die Sternmiere blühte.

»Weißt du es auch, Jörg?« fragte Güldenfey leise.

»Was soll ich wissen, Kind?«

»Das von Balzer Treß, dem Fliegenden Holländer?«