»Ich habe einmal flüchtig davon gehört«, sagte er zerstreut. »Es ist lange her. Erzähle!«

Aber Güldenfey verschloß sich. »Morgen gehen wir an das Grab der goldenen Heiligen, dort will ich sagen, was ich von Ose darüber hörte. Man muß gesammelte Sinne dafür haben.«

Der Hügel, den sie das Grab der goldenen Heiligen nennen, lag mitten im bestellten Acker. Wildbirne, Ahorn und Eiche boten den Vögeln Nistzuflucht, und gelbe Wicken wuchsen am Fuß der Erdhöhung, unter der die besonders Erwählten der Zisterzienserbrüderschaft ruhten.

Im Schatten dieses in Stille gebetteten Gehölzes lagen sie, und dort erzählte Güldenfey. Jörg hatte den Kopf in die Hand gestützt. Der rote Ampfer auf dem fernen Hügel, der blaue Saum der See erregte sein Auge, aber seine Seele fuhr mit dem Ruhelosen durch die Wüste der Meere ... Irgend etwas gestaltete sich in ihm. Er atmete tief. Wo geht der Weg nach Heilisoe?

»Es ist wunderbar, Güldenfey«, murmelte er.

Sie schob sich näher an ihn. »Das Wunderbare ist dies, Jörg: Malte sieht ihm ähnlich. An dem Abend hab' ich es gefunden. Er hat auch soviel Unruhe in sich, er will erwerben, immer erwerben. Du kennst seine neuen Pläne. Glaubst du, daß Vorgänge in einem Geschlecht sich wiederholen können?«

»Alles wiederholt sich.«

»O Jörg, wie furchtbar! Möchtest du nicht mit ihm einmal reden?«

Er richtete sich auf. »Ich, Güldenfey? Nein. Wir verstehen einander nicht, besonders würde er mich nicht begreifen. Äußerlich ist ja zwischen uns alles geschlichtet. Wir Treß halten zusammen. Doch in seinen Augen bin ich ein Narr.«

Seit diesem Morgen war etwas über Jörg gekommen, das Güldenfey endlich auffiel. Warum sah er sie so fragend an, als sie ihm am Strand, wo zwischen den großen Blöcken das Wasser quirlte, den honiggelben Blasentang wies, der sich an einen winzigen Kiesel klammerte, um diesen als Lot und Ballast für seine Fahrt zu benutzen?