›Ich sehe, dir ist es um Glück zu tun‹, sagte er und machte eine herrische Gebärde. ›Alles Glück verschaffe ich dir — nur erlaube, daß ich dort, wohin du Tag und Nacht vergebens geschaut hast, einen winzig kleinen leeren Raum schaffe. Nur so groß wie ein Stecknadelkopf, aber völlig leer.‹ — Als ich sein starres Lächeln sah, da ... ich weiß nicht, was ich tat. Ich glaube, ich habe mich aufgerichtet und nach dem Mann unter den Bäumen meine Arme weit ausgebreitet. Der kam ruhevoll auf mich zu. Als ich im Feldlazarett erwachte, sah ich meinen Weg vor mir liegen und wußte, daß ich ihn gehen würde.«

Die Wellen spülten an den Strand. Sie saßen beide am Saum der Unendlichkeit und schwiegen.

Endlich seufzte Güldenfey tief auf. »Ja, du sollst ihn gehen, Jörg, und ich halte zu dir. Aber erkläre mir ...«

»Heute nicht mehr, Kind.«

Er deutete den Strand hinunter: da kamen Marfa und Harro, und der neben ihnen ging, war das nicht Malte? Er war es, sein Gesicht war bleich und völlig verschlossen. Harro schien sehr erregt und hieb einige Male heftig durch die Luft.

»Habt ihr es gehört, das Schändlichste, was je die Hölle ausgeheckt?« rief er schon von weitem. »Wir sind verurteilt ohne Verteidigung, vergewaltigt, hingerichtet, für alle Zeit geschändet.«

Was war geschehen? Was sollten sie gehört haben? Seine Erregung schlug wie ein Lavaausbruch in die Stille.

»Malte hat die Nachricht gebracht. Sie haben unserm Volk die Bedingungen diktiert, unter denen wir leben, was sage ich! verrecken dürfen. Mit gebundenen Händen mußten wir es anhören. Maul zu, oder wir schlagen! Gekreuzigt und verlästert, um endlich erstochen zu werden.«

So hatte Harro noch keiner gesehen. Aber in der Glut dieses flammenden Zorns erschien er schön und von allem Schlackenhaften seiner Art gereinigt. Marfas Hände umschlossen seinen Arm. Wie sie ihn anblickte, schien es, als fürchte und liebe sie ihn zugleich.

»Malte, sag' es ihnen. Ich will es wieder und wieder hören. Mein Haß ist gefräßig und soll satt werden.«