»Kind, du ißt so wenig«, mahnte die Alte und rückte ihr die Schüssel näher.
»Ach, Ose, wenn man dem nachdenkt, was man heut wieder sah.«
»Hast ja deine Pflicht getan, so darf's dir auch schmecken. Nimm noch ein wenig, nachher such' ich auch noch nach altem Leinen.«
Es war nicht allein Deutschlands Not, die sich ins Herz fraß, es war vielmehr der Übermut, der dieser Not spottete.
Als Güldenfey einmal aus dem Laden trat, ihre hungrige Schar zu speisen, stand da eine Gruppe Herren und Damen, die sich das seltsame Ereignis betrachten wollten. Es waren solche, die mit funkelnd neuen Koffern durch die Geschäfte zogen, um die Waren des geschmähten Landes aufzukaufen. Ihrer Sprache nach kamen sie von jenseits des großen Wassers.
Güldenfey schämte sich. Die Fremden, schwatzend und lachend, standen wie beim Beginn einer Tierfütterung.
»Kommt ein wenig weiter, Kinder!«
Doch die Hungrigen waren zu ungestüm, und sie mußte austeilen. Die Fremden gafften und schwatzten. Zog keiner die Kamera hervor? Spitzte kein Berichterstatter den Stift zu interessantem Bericht: Speisung hungernder Kinder auf der Straße? O Deutschland!
Ein Kind ging leer aus, ein flachshaariger Bub mit tiefliegenden Augen.
»Warte, Kind, ich hole für dich!«