Er wurde durch ein Geräusch unterbrochen. Jörg hatte seinen Stuhl zurückgeschoben und bückte sich, als wolle er Herabgefallenes aufheben.
»Sagtest du etwas?« fragte Malte.
»Ich sagte nichts. Obgleich ... Aber, bitte, sprich nur weiter.«
Malte sah ihn erstaunt an, dann fuhr er fort. Die feierliche Stunde, die Erregung, das Bewußtsein, der verantwortliche Erste dieses Hauses zu sein, das alles ließ ihn große Worte finden.
Jörg zog ein Blatt Papier heran, nahm den Stift und begann zu zeichnen. Er zog einige Striche hinauf und hinab, dann gestaltete sich das Bild. In die Nacht wuchs ein schmaler Warenpalast, wie ihn die Neuzeit aus Stein, Stahl und Glas baute. Die Vorderseite bestand nur aus Fenstern. Rechts und links erhoben sich zwei gleich aussehende, aber höhere Häuser. Diese drei bildeten einen ungeheuren Thron, zu dem eine breite Treppe führte. Auf diesem Thron, der mit straffen Geldsäcken ausgepolstert war, saß breit und prahlend ein Mann mit feisten Gliedern. Seine Weste straffte sich um den gerundeten Leib. Er hatte die Augen wie ein Blinder geschlossen, aber von jedem seiner krallenartigen Finger liefen Fäden in das Dunkel. Vor der Treppe auf dem Pflaster lag die Menge. Der Stift zeichnete Könige, die sich bückten, Richter und Krieger, die sich neigten; Minister, Künstler und Bürger, die niederknieten; Frauen, die sich entblößten. Es war eine schamlose Anbetung des frech sich flegelnden Menschen auf dem Häuserthron, der die Huldigung annahm, ohne die Huldigenden zu beachten.
»Es ist aber nicht genug, daß eure Vermögensanteile in der Handlung mitarbeiten«, fuhr Malte fort. »Du, Harro, freilich stehst im Dienst einer Partei, deren Aufkommen die neue Blüte unsers Handels verbürgt. Doch wirst du darauf denken müssen, dich mit einer Erbin zu vermählen, damit unser Haus bald entlastet wird.«
Harro lächelte vielsagend und nickte.
»Du, Jörg ... hörst du mich denn?«
»Ich höre«, sagte Jörg, schob das Blatt zurück und sah den Bruder an.
»Du wirst bald deine Prüfung bestehen und hierher kommen. Von einem tüchtigen Anwalt werden wir Nutzen haben. Onkel Rolf wird dich zunächst in seine Praxis aufnehmen und will sie dir später überlassen.«