Auch Güldenfey stand in der Türöffnung wie gelähmt. Ein riesiger Schatten füllte fast den Raum, und plötzlich erkannte sie hinten am Fenster, durch das es feuchtkalt hereinwehte, stand ein Mensch, breitschultrig, die Schirmmütze in die Stirn gezogen, die Faust um etwas gekrallt. Seine wölfische Wildheit war erstarrt unter dem Entsetzensblick der erwachenden Frau, die das Licht entzündete, um das Furchtbare zu entdecken.

Wie der Regen murmelte!

Von Güldenfey wich die Starre zuerst. Ihr Fuß stieß an einen Sack, in dem Werkzeug klirrte. Der Ton löste alles auf. Der Mann warf sich blitzschnell herum. Nun er nicht mehr die Lampe verdeckte, war alles hell.

Güldenfey fühlte einen Stoß, sie sank gegen die Wand, und es hastete an ihr vorüber. Sie eilte auf Marfa zu und umschlang die Regungslose mit barmherzigen Armen: »Liebste, Liebste, welch ein Traum!«

Erst nach langem Zureden fand Marfa die Sprache. »Ein Traum? — Ich glaubte — der Henker — sei — eingetreten — mich — zu holen.«

Vom Hof herauf drang wilder Lärm; der Flüchtling war den Erwachenden in die Arme gelaufen. Telge schlug furchtbar auf ihn ein. Das Blut auf der Schwelle wusch der Regen nicht fort.

Was half das? Der Räuber war ohne Schlag zum Mörder geworden.

Als das Morgenlicht einfiel, brachte Marfa einen toten Knaben zur Welt. —

Wie hieß die Hand, die Macht, die alle Begierden aufpeitschte und jede Bändigung lähmte? Malte stand am Fenster und sah auf den Markt, als es anhob. Es war ein geringfügiger Anlaß.

Die feilgebotenen Fische waren klein. Sie fingen doch auch große! Wo blieben die? Schob man sie dahin, wo der aufgemästete Wucher märchenhafte Preise zahlte? Sind Gräten und Schuppen und Schwänze für uns gut genug?