»Herr Häberle,« sagte Malte, »wir müssen sofort schließen. Sie fangen an, regelrecht zu plündern.«
Als Herr Häberle, nachdem er selbst die Tür verriegelt und Wache gestellt hatte, an das Fenster trat, war schon der zweite Laden erbrochen.
Aber nein, nach Geld gelüstete es sie nicht. »Nach den Warenhäusern!« rief es. Die Masse flutete ab. Es war ein Ziel gesteckt, die Lust auf Beute war wie ein fressendes Feuer, das gierig um sich leckte.
Gerade als die ersten des abziehenden Zuges die Bogenhalle des Rathauses erreichten, erschienen zwischen den Säulen zwei bewaffnete Polizisten. Drohworte flogen ihnen entgegen. Der eine hob Halt gebietend den Arm. Glaubten sie wirklich, durch ihren bloßen Anblick den rasenden, leidenschaftlichen Strom zu hemmen? Sie wurden lachend zur Seite gedrängt.
Die Straßen boten bald ein seltsames Bild. Geifernde Zerstörungswut war bald in lachendes Berauschtsein gewandelt. Man hatte plötzlich, was man lange entbehrt und ebenso lange verlangend in den Läden betrachtet hatte. Über die Glassplitter zerstörter Fenster fort eilten vergnügt ausschauende Männer und Frauen, die Beutel, Kisten, Tücher und Bekleidungsstücke im Arm trugen. Sie wollten den Raub in Sicherheit bringen, doch keiner hielt es für nötig, ihn zu verbergen.
»Hast du auch was erwischt, Gevaddersche?«
Die Alte öffnete ihre Schürze und ließ hineinsehen. »Geht zum Apollonienmarkt, dort gibt es Schuhe!«
Leute, die sich nie einen Faden unrechtmäßig angeeignet hatten, prahlten mit den geraubten Dingen wie mit vorteilhaften Jahrmarktseinkäufen. Woher kam diese Verwirrung des Sinnes für Gerechtigkeit? Oder war dieser Sinn nie in Schichten gedrungen, deren Gesittung nur in der Furcht vor Strafe bestand?
In der Tat, als um Mittag die bewaffnete Gewalt anrückte, wurde es auf den Trümmerstätten ruhig.
Frauke und Güldenfey konnten den Besuch bei einer alten Verwandten am Nachmittag ausführen. Sie saßen eine Stunde lang unter altfränkischem Hausrat und bewunderten die feinsten Spitzen, die unter den kleinen, mit zahllosen dünnen Ringen geschmückten Händen des ergrauten Fräuleins hervorwuchsen.