Als Güldenfey noch hängende Zöpfe trug, hatte sie sich zuweilen die bunte Stunde ausgemalt, die ihr den ersten Antrag brachte. Jetzt war sie da. Was sollte sie sagen? Keiner half, und sie wollte doch nicht weh tun.

»Nun denn: ja, ich kam, dich um deine Hand zu bitten, Güldenfey. Warum soll es nicht gesagt werden?«

»Ich hätt' es dir gern erspart«, entgegnete sie. Ihre Hände strichen zart über die Lehnen ihres Stuhls.

»Was? Die Abfuhr? Nun, man hat ja schon allerlei erlebt«, fuhr er fort. »Aber vielleicht hast du die Güte, deine Ablehnung zu begründen. Ich habe fast fünfzehn Jahre vor dir voraus, denkst du. Das ist richtig. Ich glaube kaum, daß mir die Rolle des jugendlichen Liebhabers sehr liegt.« Er schwieg und machte eine bedauernde Gebärde. Sein vollwangiges Gesicht war noch tiefer gerötet als gewöhnlich.

Güldenfey wehrte ab. Nein, das war es nicht. Er durfte sie nicht erst daran mahnen, daß sein Haar an den Schläfen ergraute und das Wohlleben seinem Körper die Beweglichkeit vorzeitig genommen hatte. Sie wollte im Mann das Väterlich-Behütende finden, nicht das Stürmisch-Begehrende. Wie hatte Jörg jüngst an sie geschrieben? »Wenn man einen Menschen liebt, findet man nur Liebenswertes an ihm.« Sie mußte plötzlich an die Worte denken, die Jörg auf Heilisoe gesprochen. Sie stellte ihn sich vor, wie er mit aufzehrendem Eifer arbeitete. Und der dort ...?

»Gründe, sagst du?« sagte sie leise. »Es ist nur einer, Klaus. Willst du wirklich, daß ich ihn nenne?«

»Ich bitte, Güldenfey.«

»Ich kenne nur zwei Arten des Menschen«, fuhr sie fort. »Die einen wollen, daß das Leben ihnen diene; die andern dienen dem Leben, nicht nur mit Hingabe, sondern auch mit Opfern.«

Er sah sie betroffen an. »Und du?«

»Ich gehöre zu den letzten.«