»Aber das ist ja jugendlicher Überschwang!« fuhr er erregt auf. »Das verliert sich mit den Jahren.«

»Nein, das ist Wesen«, sagte sie fest. »Meine liebe Mutter ... Doch warum davon reden! Es sollen Menschen, die im Innersten so verschieden geartet sind, nicht an gleichem Strang ziehen.«

In diesen Worten lag etwas, das wie eine Schranke Halt gebot. Sollte er jetzt noch versuchen, Malte zu Überredungskünsten anzueifern? Es wäre doch vergeblich gewesen. An Klaus' Augen zog das Bild einer wohlhabenden, dunkelhaarigen Witwe vorüber, deren Blicke schon lange lockten. Etwas ganz andres als dieses süße lichte Blond. Und dennoch ...

Er stand auf. Der Rückzug ist für den Soldaten in jedem Falle peinlich, der Rückzug vor einem Mädchen ist doppelt unangenehm. Er bewahrte Haltung, doch die gekränkte Miene war nicht zu verleugnen.

»Vergib mir, Klaus!«

Er beugte sich über ihre Hand, und in diesem Augenblick ward ihm klar, was sie meinte. Ja, es war besser so. —

Güldenfey ging mit ausgebreiteten Armen durch das Zimmer, als sie allein war. Wie glänzten die Dinge um sie her! Sie tauchte ihr Gesicht in den bunten Herbstlaubstrauß auf der Kommode und ging wieder von einem zum andern.

Du hast recht getan! wiederholte fortwährend die kleine Säulenuhr. Wir bleiben bei dir, und ich zeige dir neue, versteckte Heimlichkeiten, sagte der Schrank mit dem verborgenen Fächerwerk; und der Spiegel schien ihr freundlich zuzunicken. Da lachte sie fast übermütig und strich die Delle auf dem Sofa, die Klaus hinterlassen hatte, glatt.

Sie hätte gern einem Menschen erzählt, daß sie frei bleiben dürfe, aber Harro hatte Marfa abgeholt und war zu ihrer Aufmunterung mit ihr in den Harz gefahren. Und Frauke? Nein, was hätte Frauke davon verstanden! So ging Güldenfey zu Engelke.

Die Alte war krank gewesen, befand sich jetzt aber in der Besserung. Ihre Schwester, die Schusterswitwe Friedchen Waterström, die auf dem Räucherboden von St. Johannes eine Altersstube bewohnte, war bei ihr.