»Was hat dir nur gefehlt?« fragte Güldenfey erschrocken.

Das mundfertige Friedchen, das man nie ohne ihre mit Siegellack geflickte Brille sah, nahm sofort das Wort. »Was wird's gewesen sein, gnä' Fräulein! Rheuma. Als Singen und Beten nicht halfen, haben wir ein Pechpflaster aufgelegt, das hat gezogen. Pechpflaster ist das Beste! sagte mein seliger Waterström.«

»Aber Sie hätten mich rufen sollen«, sagte Güldenfey.

»Ach, gnä' Fräulein,« rief das Friedchen, »hier im Heiligen Geist wohnt sie ja so gut, da ist ja das Kranksein schon eine Lust. Wenn ich dagegen an den Räucherboden denke! An den Geruch gewöhnt man sich und auch an die schwarze Rußfarbe, aber die Enge —«

Es war nicht leicht, wenn die Waterström diesen Vergleich zog, durch ihren Wortschwall bis zu Engelke vorzudringen, die matt und ein wenig lächelnd im Ohrenlehnstuhl saß. Sie war noch geduldiger und freundlicher als vorher und wartete, bis die Schwester gegangen war.

»Ich wollte nicht, daß sie dich beunruhigte«, sagte sie. »Ich nahm die Schmerzen als Gottes Strafe für meinen Undank. Ich hab' es doch wirklich hier so gut und murre, weil ich nicht den Treßhof vergessen kann.«

»Du hast dich noch nicht eingelebt, Engelke?«

»Nie, nie!« sagte sie und wischte hastig ein paar Tränen fort.

Güldenfey hatte viel zu streicheln und zu trösten. »Ich möchte dir etwas ganz Besonderes schenken, Engelke. Hast du einen Wunsch?«

»N—ein.«