Und wieder ging das Fragen der Augen da vorn von Gesicht zu Gesicht. Sie waren bereit, und er begann zu reden.
Vor sechseinhalb Jahren, sagte er, sei er das letzte Mal an einem warmen Juniabend durch diese Stadt gegangen, die voll fröhlicher Reisenden war. Gesang, Gelächter, Musik, auf dem Balkon des Artushofes bunte Lampen und Gläserklirren. Aber hinter diesem glänzenden Vorhang habe eine dämonische Macht unheimlich gelauert: sechs Wochen später hätten wir die Kriegserklärung gehabt.
Der Oberst hob witternd den Kopf. Ja, damals!
Heute sei er wieder durch die Stadt gegangen. Winterliches Dunkel, Schweigen, Nebel auf den Dächern wie ein Deckel auf dem Sarg, eilige stumme Menschen. Und wieder habe er hinter dünner grauer Wand eine dämonische, menschenfeindliche Macht lauernd stehen sehen: die bange Sorge.
Güldenfey spürte einen kühlen Hauch im Nacken, als sie an die Schauer ihres Weges dachte. Ja, so war es! Die Sorge.
»Aber Krieg und Sorge sind die Namen des Dämons nicht, der jetzt die Welt beherrscht, es sind nur Geißeln, mit denen er zuschlägt. Die Menschen haben Gott verlassen, aber da sie ohne einen Herrscher nicht sein wollen und nicht leben können, haben sie sich einen Beherrscher des Abgrunds gewählt, der viel verspricht, aber dafür seine Untergebenen peinigt und quält.«
Er sah wieder über die Reihen hin.
»Schon vor fast zweitausend Jahren ist von diesem Dämon geweissagt worden. Hört, was das Wort von ihm sagt!«
Er schlug das Buch, das auf dem Pult lag, auf. Es war eine Stelle, die auf den letzten Blättern verzeichnet war.
»Ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, und der ganze Erdboden verwunderte sich des Tieres und betete es an und sprach: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kriegen? Und es tat seinen Mund auf zur Lästerung gegen Gott. Und ihm ward Macht gegeben, zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden. Und es macht, daß die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Knechte sich ein Mal geben an ihre rechte Hand oder Stirn, daß niemand kaufen oder verkaufen kann ohne dieses Mal des Tieres oder die Zahl seines Namens.«