Er hielt bedeutsam inne und fuhr dann lauter fort: »Hier ist Weisheit not! Wer Verstand hat, der überlege des Tieres Zahl, denn es ist eines Menschen Zahl.«
Der Mann schloß das Buch. Die Augen, die sich auf ihn richteten, waren heiß und voll Begehren.
»Freunde, soll ich euch jetzt noch den Namen nennen, vor dem die Welt im Staube liegt? Kennt ihr die dämonische Macht, die allen, die Liebe und Glauben fortwerfen, Glück verheißt, die der Inbegriff des Unpersönlichen und Niedrigen ist? Es ist das Geld! Ihr alle kennt den Namen des Tieres.«
Es ging ein Aufatmen durch die Versammlung: Ja, so ist's! Geld hat den Krieg entfesselt, Geldsucht der Erpresser schafft diese Not. Güldenfey horchte angespannt. Würde der Mann ihrem Herzen Antwort geben?
Er sagte: »Das ist das Erniedrigende, Vertierende dieser unheimlichen Gewalt, daß sie mit einem gemeinen Betrug wirkt: Ich mache dich zum Herrn. Jawohl, Herr der Dinge, aber ihr unentronnener Knecht. Das Geld besitzt den, der sich ihm unterwirft, eher, als er das Geld besitzt. Die Gier, zu besitzen, ist das Knechtmal.«
Wie füllte sich die Stimme des Sprechenden mit Glut und Gewalt, die seine Hörer aus diesem Haus entrückten! Er war in dem großen Erdteil jenseits des Ozeans gewesen, wo das Tier aus dem Wasser stieg. Vor 425 Jahren hatte Europa seine Schiffe ausgesandt, einen Seeweg, ein Land zu entdecken. Da fanden sie das Tier, den Fluch Gottes, und unterwarfen sich ihm.
Wie ein Magnet zog es die Menschen an und vertierte sie. Die eingesessenen Völker mit Schwert und Branntwein ausgerottet! Das von Blut und Frevel dampfende Land an sich gerissen! Dann die Hetzjagd nach Besitz! Man betete das Tier an, das seinen Mund gegen Gott auftat und sein Werk lästerte.
Dann kam es über das Meer nach Europa. Man wollte es hier denen da drüben gleichtun. Ein Volk entriß dem andern den Vorrang: Holland den Spaniern, England den Holländern. Dann fiel die Gier Deutschland an; das Volk mit der Kindesseele warb um das Mal des Tieres an der Stirn, kaufen und verkaufen zu können. Da stand Gott auf und gebot Halt. Und wir verloren den Krieg.
Mein Gott! dachte Güldenfey. Mein Gott! War es so? Hatte die glitzernde Bahn des Verderbens diesen Verlauf genommen? Sahen das nur wenige, waren die andern mit Blindheit geschlagen?
Wo hatte sie schon Ähnliches gehört, gesehen? Balzer Treß, der fliegende Holländer, der die Heimat verspielte. Und dann Jörgs Bild von dem ungeheuerlichen Menschen auf den Geldsäcken. Ja, die wußten darum.