Sie zwang sich, der Rede weiter zu folgen. Was war das, was er soeben sagte? Wir sind noch nicht am Ende, wir haben die letzten, bittersten Hefen noch nicht getrunken? Was käme uns noch?

Der Sprecher war völlig hingenommen von dem, was er aus seiner Seele schleuderte. Er glich einer steil steigenden Flamme.

»Wir sind so der Starre verfallen, daß wir Wahrheit und Notwendigkeit nicht mehr kennen«, rief er. »Wir haben das, was wir gewannen, mit dem Verlust unsrer Seele bezahlt. Erst wenn uns das Grauen anwandelt über das, was wir verloren, werden wir erkennen, werden wir umkehren.«

Ein Seufzer stieg irgendwo wie eine wortlose Klage auf. Ein Mütterchen fuhr mit dem Handrücken über nasse Augen. Ach, sie erkannten; sie wollten nur ihre stillen abseitigen Wege gehen. Wann endeten sie nur?

Es war, als hätte sie die Gründe der Seufzenden erschaut. Diese alle waren doch gekommen, Trost zu hören. Und dann die Irrenden, die wie der fliegende Holländer durch die Wildnis der Wasser fuhren. Es waren so viele, von denen sie wußte, daß sie Deutschland den Geist, der dort drüben regierte, einblasen wollten. Malte hatte erst jüngst davon gesprochen. Malte! Sie sah ihn vor sich, sein ernstes, blasses Gesicht. War seine Schöpfung, diese neuen Räume am Markt, diese vielen Tische mit den Lichtkreisen, das Bild der Fieber, die ihn verzehrten?

Eine plötzliche Angst überfiel sie und jagte eine heiße Blutwelle in ihre Stirn. Wußte der Mann dort um das Tier, so mußte er auch um die Rettung vor ihm wissen. Warum schwieg er davon?

Sie wußte nicht, was sie tat, aber sie stand plötzlich.

Engelke sah seitwärts an ihr hinauf und zupfte sie verlegen.

Der Redner dachte wohl, sie wolle den Saal verlassen; er sprach weiter. Doch die Dringlichkeit, mit der sie ihn ansah, beirrte ihn. Er zögerte, fuhr wieder fort und brach plötzlich ab.

»Wünschen Sie etwas zu bemerken?« fragte er.