Alle Gesichter wandten sich ihr zu, sie fühlte sich unwillig angesehen. Das Blut in ihren Ohren brauste, vor ihren Augen drehte sich ein Kaleidoskop, und die Kniee lähmte eine seltsame Schwäche.
»Wo ist der Weg nach Heilisoe?« fragte ihre flackernde Stimme.
War der Nebel vor ihren Augen, oder floß er um den Mann? Aber sie sah doch, daß er sie freundlich anblickte.
»Ich verstehe nicht ganz«, sagte er.
»Ich meine die Hilfe«, sagte sie. »Was sollen wir tun?« Ihre Stimme war jetzt hell.
Der Sprecher lächelte. »Ich danke Ihnen, liebes Fräulein«, sagte er. »Ich wollte darüber eigentlich erst morgen sprechen, aber vielleicht sind Sie dann nicht hier. Sie haben recht. Ich werde sogleich auf Ihren Wunsch eingehen.«
Er sprach einige überleitende Worte und öffnete dann sein Buch.
»Ich las in dem gegebenen Text ein Wort nicht, das auf die ängstliche Frage Antwort gibt. Hört es jetzt: So jemand ins Gefängnis führt, der wird in das Gefängnis wandern; so jemand mit dem Schwert tötet, der muß mit dem Schwert getötet werden. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen not.«
Güldenfey saß wieder und lauschte.
»Alle ihr, die ihr die tägliche Notdurft höher schätzt als die Anhäufung des Reichtums, die ihr eure Hand von Wucher rein hieltet und unrecht Gut nicht nehmt, ihr seid frei vom Mal des unsauberen Tieres. Aber ihr müßt Not und Schuld eures Volkes mittragen in Glauben und Geduld. Keine Gewalt! Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert fallen. Glaube und Geduld!«