»Wie liebenswürdig sie sind, Engelke!« flüsterte Güldenfey.

Die Alte, die mit jemand gesprochen, wandte sich Güldenfey wieder zu. »Hast du nun erfahren, was du wissen wolltest?« fragte sie.

»Das Tier! Ja, nun kenn' ich es.«

Engelke ergriff die Hand eines blassen Mädchens, das neben ihr stand. »Das ist Hanna Wilkens, unsre fleißige Näherin«, sagte sie. »Sie geht den gleichen Weg wie du und wird dich begleiten.«

»Und du, Engelke?«

»Ach, mich alte Person läßt schon jemand einhaken, und bis zum Heiligen Geist ist's nur eine kleine Strecke.«

So ging Güldenfey an der Seite des kleinen Nähmädchens durch die Straßen. Der Nebel war noch schwerer geworden, er hüllte die dürftigen Straßenlampen wie mit abblendenden Händen ein. Vor den Fenstern der Häuser lagen die Läden fest verklammert. Nur selten klangen ferne Schritte durch die Nacht.

Es lauert etwas dahinter, dachte Güldenfey. Ich kenne es: das Tier, das aus dem Meer stieg, bedroht uns.

Sie versuchte mit ihrer Begleiterin ein Gespräch anzuknüpfen; die antwortete leise und bescheiden. Sie arbeitete in dem Anfertigungraum eines Geschäftshauses, einer großen Stube, deren Fenster auf einen tiefen Hof sahen und zwischen dunkelnden Wänden standen. Ihre Mutter war Witwe; sie hatte zwei unversorgte Geschwister und versuchte, noch außer ihrer Arbeitszeit zu verdienen.

»Und obgleich Sie so müde vom Tage sind, besuchen Sie noch abends die Versammlungen?« rief Güldenfey erstaunt.