»Es ist fast die einzige Freude, die ich mir gönne«, sagte das Mädchen.
»O!« Güldenfey fühlte sich sofort beschämt, und ihr Herz wallte auf. »Besuchen Sie mich doch Sonntags. Sie wissen, der Treßhof.«
»Ich habe sehr wenig Zeit, auch am Sonntag«, erwiderte die kleine Näherin. »Ich bin aber schon für die gütige Einladung dankbar.«
»Nein wirklich, Sie müssen kommen«, sagte Güldenfey herzlich. »Wir wollen nachdenken, wie wir Ihre Lage verbessern.«
Die andre lächelte. Nach einer Weile fragte sie: »Sie werden in unsre Gemeinschaft nicht mehr kommen?«
»Ich glaube nicht!« sagte Güldenfey leise. Es war, als hüte sie sich, mit ihrer Antwort dem Mädchen weh zu tun.
Mellin in seinem Wettermantel stand vor der Torfahrt und schaute nach Güldenfey aus.
»Wir sehen uns gewißlich wieder«, sagte Güldenfey und drückte dankbar die Hand der Freundlichen.
Mellin steckte die Schlüssel in das Türschloß. Sie aber stand noch und sah der Fortgehenden nach, bis ihre Schritte im Nebel der dunklen Straße verhallten.