Die Männer, die ihn der Mutter ins Haus brachten, grinsten, als diese sich wie eine Irrsinnige über den Jungen stürzte. Einer von den verrußten Männern sagte: „Antje, daß du’s weißt, der Israel hat das Söhnchen holen wollen, aber der Bengel war zu langsam. Na, ein andermal wird er ihn schon sicherer fassen bei der Gurgel.“

Da stellte Antje sich wie eine angeschossene Bärin und trieb die Lästerer mit Ruten aus dem Hause.

Und die Kinder wichen dem kleinen Fredrik aus, wenn er zur Schule ging. Und die Spitalweiber murmelten: „Antje hat ihn verhext. Sie hat Stutenmilch getrunken, als sie den Bengel säugte. Das feit gegen das Unglück. Aber wenn ihm die Milchzähne ausgegangen sind, wird es doch mit ihm kommen!“

Antje nahm den Buben nun jeden Morgen bei der Hand und brachte ihn zur Schule. Um zwölf stand sie wieder vor dem gebrechlichen alten Hause mit den vielen Fenstern und holte ihn ab. Dann mußte er das Pensum erledigen und sich auf die Salzkiste setzen bis zum Abend. Sie gab ihm Maiskolben und getrocknete Pflaumen zum Spielen. Und nach dem Essen brachte sie ihn zu Bett und atmete auf.

„Er wird nie mehr auf die Straße kommen zu den anderen Jungens, und wenn er zwölf Jahre alt ist, bringe ich ihn zum Oheim nach Karna. Dort kann er auf der Mühle helfen und ein Müller werden!“

Sonntags ging Antje auch mit dem Söhnchen durch die mageren Kartoffelfelder und zeigte ihm die bunten Schmetterlinge und den Grashüpfer mit dem gelben Schopf.

Einmal sagte Fredrik: „Mutter, wo ist mein Vater? Alle Jungens haben einen Vater. Nur ich nicht und der Schorch. Aber Schorchens Vater ist doch auf dem Kirchhof. Mutter, sag, ist mein Vater auch auf dem Kirchhof?“

Antje preßte den Zipfel des Kopftuches heftig gegen die Lippen, damit der Junge nicht das leise Stöhnen hörte.

So gingen sie eine weile schweigend. Jedes ein Schicksal, und ihre Schicksale stöhnten in der herben Luft.

Schwarz fielen die Schatten von den Pappelbäumen.