Und: „Siehste Antje, der Israel hat ihn doch geholt. Haha, haha, haha.“

Vier Monate lang lag das Jungchen in Gips, und die Mutter legte derweilen ihr Haar in den Rauhfrost hinaus.

Sie hatte auch ihrem Verstorbenen endlich ein Denkmal gesetzt und ging immer in der Früh, wenn das Jungchen schlief, auf den Kirchhof hinaus. Die Weiber versuchten ein Gespräch mit ihr anzubändeln, aber ihre Augen waren weit und weiß wie zwei gleißende Schlünde. Nur ihre Hände konnte, sie noch ballen, immer, wenn sie an der Unfallstelle vorüberging, die jetzt in einem großen Umkreis abgezäunt war. Und die Männer von der Direktion waren da und fremde Herren, die maßen, klopften und bohrten.

Und dann hörte sie, daß das Dorf niedergerissen werden sollte, der Unsicherheit des Gesteins wegen.

Sie sah das alles kommen wie eine Märzahnung. Denn die Wege hier dünkten ihr jetzt öde und verworfen. Und Fredrik lag im Bett und fieberte.

Diese verfluchten Spitalweiber mit dem Blutgeruch . . . O, daß die Erde sich noch einmal auftäte, diese Henker zu verschlingen!

Als Fredrik wieder den Oberkörper heben konnte aus den rotgewürfelten Kissen, holte die Mutter allerlei Spielwerk zusammen, damit der Junge wieder lachen könnte. Und aus einem alten Legendenbuch las sie ihm vor von den frommen Einsiedlern und dem großen Propheten in der Löwengrube.

Und da Fredrik einmal mit beiden Händen nach dem Büchlein griff, um die Bilder anzuschaun, fiel eine verblichene Photographie aus dem Buch.

Fredrik faßte danach und betrachtete lange das fremde Gesicht.

„Mutter, was ist das für ein böser Mann? Sieh, er hat genau solch einen schwarzen Kittel an wie die Männer, die immer hinter den Särgen gehn!“