Antje rieb sich ein paar Mal die Augen und ihre Lippen sprangen scharf von den Zähnen. Die leeren Augen des Jungen irrten um sie wie feuchtrauchende Phosphorkugeln. Dann sagte sie ganz ernst: „Das ist dein Vater, Jungchen, dein Vater, ehe er ein Stern ward.“

Und sie stand vor dem zerwalkten Bett und wartete auf ihn mitten in dem gelben Zwielicht, das so peinvoll war.

Fredrik hob den Kopf etwas. Die Augen quollen auf, und entgeisterte Blicke schossen heraus wie ein böser Schreck. Und die Lippen raschelten Worte, die sie nicht verstand.

Dann zerschlug den armen Körper ein tonloses Wimmern. Stoßweises Meckern und Sägen und Kratzen.

Und er wehrte sich nicht, daß sie sich über ihn beugte in sanfter Sinnlichkeit, wie einst über den Israel, als er noch nicht wild gewesen war in ihres Leibes Rosenbeet.

Sie küßte den Buben, trocknete ihm das Gesicht, strich ihm das Haar glatt und die tiefen Kummerfalten. Sorgsam, mädchenhaft und ganz sinnlich. Immerzu und stetiger, heftiger.

Antje wagte auch nicht, dem Jungen das Bild wieder abzufordern. Etwas Feindliches lag schattenhaft auf seinem Gesicht. Er fragte nie mehr nach dem schönen blanken Stern. Aber sie wollte nichts wissen. Nichts wissen, nichts wissen.

Da Fredrik wieder aufstand, vergrub er das Bildchen schnell in der Lehmgrube unter dem Ofen. Denn er hatte Angst, daß ihm die Mutter das schöne Ding wieder abnehmen könnte.

Fredrik hatte jetzt eine verkrüppelte Schulter und mußte sich auf einen Stock stützen.

Aber der Steiger Verweno, der ein Bruder der Antje war, meinte: „Och, och, ich werde den Bengel schon mitnehmen. Er kann in meinem Revier Pferdejunge werden. Da verdient er seine vier Gulden die Woche.“