Antje aber fand sich wieder in einem anderen fernen Grubendorf. Dort verdingte sie sich auf der Erzmühle. Suchte dort den Tod und suchte ihn vergebens.

Das Pferdejuppchen

(1910)

I

Am Palmsonntag war Juppchens Konfirmation. Der Vater hatte versprochen mitzugehen. Dann aber kam plötzlich das mit dem Wetterbruch dazwischen, und er mußte die ganze Samstagnacht auf der zweiten Sohle durcharbeiten. Erst gegen sechs Uhr war er von der Grube gekommen. Mistnaß und hundemüde. Und um neun begann schon die Kirche. Als ihn seine Frau leise weckte, richtete er sich halb auf, stieß einen kräftigen Fluch aus und wälzte sich auf die andere Seite.

Da gingen Juppchen, Mutter und Großmutter allein. Es waren an die zwanzig Knaben, die eingesegnet wurden. Und sie trugen alle schon die Runen der Adamsqual auf der Stirn.

Der alte Pastor hatte danach seinen Text gewählt und schob mit viel Umständlichkeit den sechsten Vers des elften Kapitels aus dem Prediger Salomo seiner Rede voraus. Er hatte die Genugtuung, daß nur wenige Augen trocken blieben.

Die Orgel spielte einen Choral dazu, der dumpf wie das Donnern der großen Fördermaschine klang.

Juppchens Lippen murmelten mechanisch das Schlußgebet, und dann stand er mit der Mutter wieder draußen auf dem öden, sandigen Kiesplatz.

Langsam kam die Großmutter angehumpelt. Sie küßte Juppchen auf beide Backen, daß es schallte. Und darüber hin gingen drei fröhliche Kirchenglocken.